Ein Obdachloser liegt, eingehüllt in Decken und einem Schlafsack, vor einem Gebäude in München. | Bildquelle: dpa

Obdachlose in Deutschland Neun Kältetote seit Oktober

Stand: 24.12.2018 10:42 Uhr

Seit Oktober sind laut der Wohnungslosenhilfe neun Menschen, die auf der Straße lebten, vermutlich durch die niedrigen Temperaturen ums Leben gekommen. 2017 wurden im selben Zeitraum nur drei Kältetote erfasst.

Bundesweit sind nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe mindestens neun Obdachlose seit Oktober erfroren. Zwar dauerten die gerichtsmedizinischen Untersuchungen teils noch an, es sei aber davon auszugehen, dass die Menschen durch die niedrigen Temperaturen ums Leben kamen, sagte die Geschäftsführerin des Verbands, Werena Rosenke, der "Rheinischen Post".

Mehr als eine Million Menschen ohne Wohnung

Die Stadt Hamburg hat bislang vier Todesfälle erfasst, in Düsseldorf kamen zwei Menschen ums Leben und in Köln, Essen und Lauchhammer in der Lausitz wurde jeweils ein Fall gemeldet. Damit stieg die Zahl der Kältetoten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum: 2017 starben aufgrund der Temperaturen mindestens drei Menschen auf der Straße.

Die Wohnungslosenhilfe schätzt, dass sich die Zahl der Obdachlosen bundesweit in den vergangenen zehn Jahren auf mehr als eine halbe Million verdoppelt hat. Hinzu kämen jedoch auch die sogenannten Wohnungslosen - Menschen, ohne eigene Wohnung, die regelmäßig bei Familie, Freunden oder in Notunterkünften übernachten. Damit steigt die Zahl auf mehr als eine Million Betroffene.

Zudem geht der Verband von einer hohen Dunkelziffer aus, sodass die Zahl der auf der Straße lebenden Menschen, aber auch die der Kältetoten nur geschätzt werden kann.

Zu wenig Unterkünfte gestellt

Bereits Anfang des Monats hatte die Wohnungslosenhilfe davor gewarnt, dass bundesweit zu wenige Notunterkünfte für die Obdachlosen zur Verfügung gestellt werden. Zudem kritisierte Rosenke damals Mängel in vielen dieser Unterkünften, etwa eine unzureichende Hygiene oder zu wenig Privatsphäre für die dort unterkommenden Menschen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Dezember 2018 um 09:55 Uhr.

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