Die Bildkombo zeigt die Hände von Gebärdendolmetscherin Kathrin-Maren Enders | picture alliance / Arne Dedert/d
Kommentar

Tag der Gebärdensprache Selbstverständlicher für alle

Stand: 24.09.2021 01:12 Uhr

Jahrhundertelang an Schulen verboten, dann geduldet. Seit 2002 ist sie in Deutschland anerkannt. Zum Internationalen Tag der Gebärdensprache sollte die Sprache selbstverständlicher für alle werden.

Ein Kommentar von Iris Meinhardt, BR

Viel Aufregung gab es zu Beginn der Corona-Pandemie: Die Maskenpflicht würde tauben Menschen die Kommunikation erschweren. Klar, sie schränkt die Mimik ein - und verhindert das Lippenablesen. Aber das ist nicht unser Hauptproblem. Denn Lippen ablesen ist nicht unser Kommunikationsmittel.

Was die meisten von uns benutzen, ist die Gebärdensprache. Eine eigenständige Sprache mit eigener Grammatik. Jahrhundertelang war sie an Schulen verboten, dann geduldet. Seit 2002 ist sie in Deutschland anerkannt. Also lange kaum sichtbar. Auf viel Druck werden immerhin bei manchen Pressekonferenzen in der Politik für barrierefreie Informationen endlich öffentlich Gebärdensprachdolmetscher eingesetzt.

Seitdem gibt es kleine Veränderungen im alltäglichen Leben: Der Verkäufer traut sich die Hände bei der Unterhaltung zu benutzen. Die Kellnerin schreibt ihre Fragen auf. Und manche wissen sogar wie man "Danke" gebärdet.

Gebärden sollen bleiben

Es ist wünschenswert, dass mit dem Ende der Pandemie nicht auch die Übersetzungen mit Gebärdensprache wieder aus der Öffentlichkeit verschwinden. Die Sprache soll selbstverständlicher für alle werden.

Denn dadurch werden hörende Mitbürger sensibilisiert und Taube als gleichwertiger Teil in der Gesellschaft akzeptiert. Und im Kleinen kann jeder auch etwas dazu beitragen: Indem er oder sie sich traut, Gesten und Mimik bei der Kommunikation mit Tauben zu nutzen.

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 23. September 2021 um 21:45 Uhr.