Vermummter Demonstrant vor Feuer | Bildquelle: REUTERS

Anti-G20-Demo Ausschreitungen bei "Welcome to Hell"

Stand: 06.07.2017 23:31 Uhr

Sie war bei bestem Wetter friedlich gestartet - doch nach nur einer Stunde eskalierte die Lage bei der Anti-G20-Demo "Welcome to Hell". Demonstranten warfen Flaschen und Latten, die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Immer noch sind Tausende Menschen auf den Straßen.

Am Vorabend des G20-Gipfels in Hamburg ist es zu massiven Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Bei der "Welcome to Hell"-Demo flogen Flaschen, Feuerwerkskörper und Holzlatten. Später brannten umgestürzte Mülltonnen und mehrere Autos. An einem Kaufhaus im Stadtteil Altona und in einer Sparkasse gingen Schaufensterscheiben zu Bruch.

Die rigoros vorgehende Polizei stoppte den Demonstrationszug, setzte wiederholt Wasserwerfer und Pfefferspray ein und trieb die etwa 12.000, in der Mehrzahl friedlichen Teilnehmer auseinander. Die Polizei meldete mindestens 15 verletzte Beamte. Auch ihr Pressesprecher, Timo Zill, sei angegriffen worden, konnte jedoch entkommen. Laut Veranstalter wurden zahlreiche Demonstranten verletzt - einige ernsthaft.

Polizei stoppt Demo

Um 19 Uhr war der Protestzug gestartet. Die Polizei stoppte ihn jedoch gegen 20 Uhr. Unter die Demonstranten hatten sich nach Polizeiangaben etwa 1000 Vermummte gemischt. Per Lautsprecher forderten die Einsatzkräfte die Teilnehmer auf, ihre Maskierung abzulegen - was diese nicht taten. Als die Einsatzkräfte versuchten, den "Schwarzen Block" der Vermummten vom Rest der Kundgebung zu trennen, eskalierte die Lage. Der Anmelder erklärte die Demo daraufhin offiziell für beendet.

Die Polizei rief dazu auf, den Versammlungsort großräumig zu meiden, um sich nicht in Gefahr zu bringen. Laut Polizeipräsident Ralf Martin Meyer begannen Vermummte in Seitenstraßen damit, Steine und andere Gegenstände zu sammeln, die sich als Wurfmaterial eignen. Polizeipräsident Ralf Martin Meyer sagte am späten Abend, es gebe mittlerweile viele Kleingruppen, die durch die Stadt zögen. Diese errichteten Barrikaden, Beamte würden angegriffen. Die Lage sei weiter unübersichtlich.

Nachdem Polizei und Aktivisten miteinander Gespräche geführt hatten, formierte sich erneut ein Demonstrationszug und setzte sich - von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet - in Bewegung. Bereits nach kurzer Zeit kam es erneut zu einem Wasserwerfereinsatz.

NGOs kritisieren Polizei

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac verurteilte die Strategie der Polizei. "Die Auseinandersetzungen bei der Demonstration 'Welcome to Hell' waren eine Eskalation mit Ansage: Es ist offenkundig, dass diese Demonstration nach dem Willen von Polizei und Senat nie laufen sollte", sagte Roland Süß vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis. Der Anmelder der Demo, Andreas Blechschmidt vom linksautonomen Kulturzentrum "Rote Flora", warf Innenbehörde und Verfassungsschutz vor, "eine massive Kampagne" gegen Demonstranten zu führen.

Die Polizei sagte, man habe versucht, den Schwarzen Block der Linksautonomen von den friedlichen Demonstranten zu trennen - dann hätte die Kundgebung fortgesetzt werden können. Dies sei aber nicht gelungen.

Ausschreitungen befürchtet

"Welcome to Hell" richtete sich gegen den G20-Gipfel in der Hansestadt. Bereits im Vorfeld hatten die Sicherheitsbehörden vor Ausschreitungen gewarnt. Sie rechnen mit insgesamt etwa 8000 gewaltbereiten Demonstranten bei den Anti-G20-Protesten.

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Über dieses Thema berichteten am 06. Juli 2017 der ARD-Brennpunkt um 20:15 Uhr und die tagesschau um 20:00 Uhr.

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