Bundesgesundheitsminister Jens Spahn | CHRISTIAN MARQUARDT/POOL/EPA-EFE

Vor Impfgipfel Spahn warnt vor zu hohen Erwartungen

Stand: 01.02.2021 05:00 Uhr

Der Bundesgesundheitsminister geht nicht davon aus, dass beim heutigen Treffen bereits konkrete Beschlüsse fallen. SPD-Chef Walter-Borjans kritisiert derweil die Impfstoffhersteller scharf.

Nach dem schleppenden Start der Corona-Impfungen in Deutschland kommen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder heute zu einem Krisengipfel zusammen. An der Videokonferenz nehmen auch Vertreter der Impfstoff-Hersteller und der EU-Kommission teil.

Gesundheitsminister Jens Spahn dämpfte die Erwartungen an mögliche Beschlüsse. "Es ist ein Wert an sich, dass Bund und Länder gemeinsam agieren, ein gemeinsames Verständnis haben, ein gemeinsames Ziel haben, einen gemeinsamen realistischen Blick haben auf das, was geht und was nicht geht", sagt der CDU-Politiker "Bild". Deswegen müsse man "nicht gleich alles beschließen." Man werde sich im Februar erneut treffen, dann könne man gemeinsam Schlüsse ziehen.

SPD-Vorsitzender Norbert Walter-Borjans | dpa

Der SPD-Chef kritisiert die Pharmaindustrie scharf. Bild: dpa

Der Impfgipfel ist eine Reaktion auf Probleme beim Impfstart in Deutschland und auf die Diskussion um die Menge der zur Verfügung stehenden Vakzine. Momentan sind in der EU drei Impfstoffe zugelassen, zuletzt wurde am Freitag die Zulassung für das Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca erteilt. Die deutsche Impfkommission empfiehlt allerdings, das Mittel nur an Menschen bis 64 Jahren zu verabreichen. Bundesgesundheitsminister Spahn will deshalb die Impfverordnung überarbeiten. Auch dies dürfte Thema beim Impfgipfel sein.

Auch der Verband der deutschen Pharma-Unternehmen dämpfte die Hoffnung auf schnelle Lösungen. "Eine Impfstoff-Fabrik ist kein Bücherregal aus dem Möbelhaus, das man schnell aufbauen kann", sagte der Präsident des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller, Han Steutel, dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". "Wäre es so, hätten wir es doch längst gemacht." Für die komplexe Herstellung von Impfstoffen seien geeignete Produktionsanlagen und qualifiziertes Personal nötig.

"Gesamtverantwortung für die Gesellschaft"

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans kritisierte die Impfstoffhersteller vor dem Treffen scharf: "Ich bin schockiert über den Mangel an Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein bei einigen Herstellern. Es geht hier nicht um Schokolade, sondern um ein Produkt, an dem Existenzen und der Zusammenhalt der Gesellschaft hängen", sagte Walter-Borjans dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland".

"Das Agieren der Impfstoffhersteller irritiert mich zutiefst. Was sind das für Manager, die mitten in einer gesellschaftlichen Notsituation ohne mit der Wimper zu zucken gegebene Zusagen wieder zurücknehmen?", so Walter-Borjans. "Die Unternehmen haben eine Gesamtverantwortung für die Gesellschaft - besonders, wenn sie mit Millionen Euro aus Steuermitteln gefördert worden sind." Er erwarte, dass sie dieser Verantwortung gerecht würden.

Über dieses Thema berichteten am 01. Februar 2021 Inforadio um 06:02 Uhr sowie um 06:40 und das ARD-Morgenmagazin um 07:08 Uhr.