Unwörter des Jahres 2020 | Bildquelle: dpa

Jury der "Sprachkritischen Aktion" Erstmals zwei Unwörter des Jahres gekürt

Stand: 12.01.2021 11:48 Uhr

"Corona-Diktatur" und "Rückführungspatenschaften" sind die Unwörter des Jahres 2020. Erstmals kürt die Jury gleich zwei Begriffe, um darauf aufmerksam zu machen, dass auch abseits von Corona unangemessene Wörter geprägt wurden.

Die Jury der "Sprachkritischen Aktion" hat die Begriffe "Rückführungspatenschaften" und "Corona-Diktatur" zu den Unwörtern des Jahres 2020 gekürt. Zum ersten Mal sei damit ein Unwort-Paar gewählt worden, teilten die Juroren mit.

Damit wolle die Jury Rücksicht darauf nehmen, dass das Thema der Corona-Pandemie in der Öffentlichkeit im vergangenen Jahr dominiert habe. Zugleich wolle man aber darauf aufmerksam machen, "dass auch in anderen Themenbereichen weiterhin inhumane und unangemessene Wörter geprägt und verwendet werden".

Deshalb sei die Wahl auf den Begriff "Corona-Diktatur" gefallen, der seit Beginn des öffentlichen Diskurses in der Pandemie von selbst ernannten "Querdenkern" und rechten Propagandisten gebraucht worden sei, um regierungspolitische Maßnahmen zur Eindämmung zu diskreditieren, so die Jury.

Der Begriff "Rückführungspatenschaften", ist ein Begriff der EU-Kommission in der Migrationspolitik. Er bezeichnet die Option für jene Länder, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, stattdessen bei Abschiebungen jener zu helfen. Die Juroren kritisierten, dass das Wort zynisch und beschönigend sei. Mit Rückführung sei nichts anderes gemeint als Abschiebung und die Patenschaft sei ein eigentlich positiv besetzter Begriff.

Jury rügt irreführende Begriffe

Die "Sprachkritische Aktion" - eine überwiegend aus Sprachwissenschaftlern bestehende Jury - rügt mit dem Unwort des Jahres Wörter, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistische, verschleiernde oder irreführende Formulierungen sind. Die eingesendeten Vorschläge müssen eines dieser Kriterien erfüllen.

Die Corona-Pandemie war bei den Vorschlägen das dominierende Thema der 1826 bis zum 31. Dezember eingegangenen Einsendungen. Es gab 625 unterschiedliche Vorschläge. Allerdings richtet sich die Jury nicht nach der Menge der Vorschläge für ein einzelnes Wort.

Unwort wird seit 1991 gekürt

Im Jahr 2019 war "Klimahysterie" das Unwort des Jahres, 2018 "Anti-Abschiebe-Industrie". 2017 hatte die Jury die Wendung "alternative Fakten" zum Unwort des Jahres bestimmt, 2016 war es der Begriff "Volksverräter". Das "Unwort des Jahres" wird seit 1991 gekürt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Januar 2021 um 12:00 Uhr.

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