Ein kleines Mädchen sitzt weinend auf dem Fußboden in seinem Zimmer | picture alliance / dpa

Umfrage zu Kindererziehung Zustimmung zu körperlicher Gewalt weiter hoch

Stand: 19.11.2020 14:01 Uhr

Der "Klaps auf den Hintern", die Ohrfeige - viele halten das in der Kindererziehung für legitim, ergibt eine Umfrage von UNICEF und der Uniklinik Ulm. Die Akzeptanz für körperliche Gewalt ist vor allem bei Älteren und bei Männern hoch.

Körperliche Gewalt gegen Kinder hält offenbar knapp jeder Zweite in Deutschland für angebracht. Dies ergab eine Umfrage des Uniklinikums Ulm im Auftrag des Deutschen Kinderschutzbundes und UNICEF.

Einen "Klaps auf den Hintern" findet demnach rund die Hälfte der Befragten angemessen. Jeder Zweite der 2500 Befragten stimmte der Aussage zu, dass ein Klaps auf den Hintern noch keinem Kind geschadet habe. Eine Ohrfeige ist der Umfrage zufolge für rund 23 Prozent in Ordnung.

Der Anteil der Menschen, die Gewalt in der Erziehung anwenden oder als angebracht ansehen, ist seit dem Jahr 2000 deutlich gesunken. Mittlerweile sei jedoch ein Plateau erreicht, wie Jörg M. Fegert, Direktor der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie der Uniklinikum Ulm, sagte.

Geschlecht und Alter sind ausschlaggebende Faktoren

Von Männern werden sogenannte Körperstrafen eher befürwortet als von Frauen. Auch das Alter ist ein Faktor. Befragte über 60 Jahren hielten zu 65 Prozent den "Klaps auf den Hintern" für angemessen, Befragte unter 31 Jahren stimmten dem zu 45 Prozent zu.

Insgesamt ergab die Studie über Einstellungen zu Körperstrafen und elterlichem Erziehungsverhalten, dass insbesondere das Ausmaß und die negativen Folgen psychischer Gewalt gegen Kinder bis heute weitgehend unterschätzt werden. Den Forschern zufolge ging zwar in den vergangenen 20 Jahren der Anteil der Menschen zurück, die in der Erziehung Gewalt anwenden oder als angebracht ansehen. Insbesondere leichtere Körperstrafen bleiben aber "bei einem erschreckenden Teil der deutschen Bevölkerung" weiter verbreitet, wie die Initiatoren der Untersuchung erklärten.

Wer Gewalt erfährt, wird selbst gewalttätig

Bei der Untersuchung stellte sich unter anderem heraus, dass Befragte mit eigener Gewalterfahrung im Kindesalter Körperstrafen in der Erziehung eher zustimmen als ohne Gewalt aufgewachsene Menschen. So ist die Wahrscheinlichkeit, der Aussage "Ein Klaps auf den Hintern hat noch keinem Kind geschadet" zuzustimmen, bei der Gruppe mit eigenen körperlichen Gewalterfahrungen fast 16 Mal so hoch wie bei den anderen Menschen.

Angesichts der Studienergebnisse forderten die Initiatoren, das Bewusstsein für alltägliche Gewalt gegen Kinder zu schärfen sowie das Recht auf gewaltfreie Erziehung auf allen gesellschaftlichen Ebenen umzusetzen. Notwendig seien eine Stärkung der Kinderrechte unter anderem durch deren Aufnahme ins Grundgesetz, nachhaltige Aufklärungskampagnen über Ausmaß und Folgen von Gewalt gegen Kinder sowie eine verbesserte Datenlage. Für die Untersuchung befragte ein Forschungsteam der Ulmer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie im Frühjahr 2500 repräsentativ ausgewählte Menschen.

Hilfe für Kinder gibt es bei der Initiative "Nummer gegen Kummer" im Internet sowie unter der Telefonnummer 116 111.

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