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Transparency-Bericht Weltweit mehr Korruption

Stand: 29.01.2019 17:02 Uhr

Unlautere Methoden haben offenbar Konjunktur: Im vergangenen Jahr litten die Menschen stärker unter Korruption, berichtet Transparency International. Auch in Deutschland verschlechterte sich die Situation.

Weltweit werden mehr als zwei Drittel der Länder als korrupt angesehen. Das geht aus dem neuen Jahresbericht von Transparency International hervor. Auch in Deutschland nahmen Korruption und Bestechung in Wirtschaft und öffentlichen Institutionen demnach gefühlt zu.

Edda Müller, Vorsitzende von Transparency International
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Transparency-Vorsitzende Edda Müller kritisiert die Regeln in Deutschland.

Führungskräfte aus der internationalen Wirtschaft stuften die Bundesrepublik laut Bericht schlechter ein als im Vorjahr. Deutschland erreichte im Index einen Punkt weniger, rutschte im weltweiten Vergleich aber um einen Platz nach vorn auf den elften Rang. Das liege daran, dass sich das Niveau insgesamt verschlechtert habe, erklärte Transparency International.

Regeln in Deutschland zu schwach?

"Offensichtlich existiert hier der Eindruck, dass man mit unlauteren Methoden auch in Deutschland Geschäfte fördern kann", erklärte die Deutschland-Vorsitzende Edda Müller. "Noch immer gibt es hierzulande keine klaren Transparenzregeln für Lobbyismus, eine zu enge Allianz zwischen Führungskräften aus Politik und Wirtschaft und keinen wirksamen Schutz für Whistleblower."

Der jährliche Index misst die in Wirtschaft, Politik und Verwaltung wahrgenommene Korruption im öffentlichen Sektor. Abgefragt wurden neben Deutschland 179 weitere Ländern. Dem Bericht zufolge litten die Menschen im vergangenen Jahr weltweit stärker unter Korruption und Bestechung als im Jahr davor.

Korruptionswahrnehmungsindex

Der Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index, CPI) der Organisation Transparency International (TI) misst die in Politik und Verwaltung wahrgenommene Korruption auf Grundlage verschiedener Expertenbefragungen. Auf Basis dieser Erhebungen ordnet TI die 170 untersuchten Staaten auf einer Skala von 0 (hohes Maß an wahrgenommener Korruption) bis 100 (keine wahrgenommene Korruption) ein. Der Korruptionswahrnehmungsindex wurde Mitte der 1990er-Jahre entwickelt. Seine Bedeutung ist teilweise umstritten, da er auf Wahrnehmungen und nicht auf empirischen überprüfbaren Daten beruht.

USA rutschen deutlich ab

Müller sprach von einer beunruhigen Situation: "Es gibt Rückschritte auch bei Ländern, von denen man es nie gedacht hätte." So seien die USA von Platz 16 auf Platz 22 deutlich abgerutscht. "Korruption gedeiht, wenn Rechtsstaat und demokratische Institutionen geschwächt werden und die Freiräume für Zivilgesellschaft und unabhängige Medien schrumpfen." Beispiele hierfür seien in Europa Ungarn und die Türkei.

Am besten schneidet im aktuellen Jahresbericht Dänemark ab, danach kommen Neuseeland und Finnland. Unter den Ländern mit großer Korruption sind auch EU-Staaten wie Kroatien, Rumänien, Ungarn, Griechenland und Bulgarien - sie liegen etwa im Mittelfeld. Die letzten Plätze im Ranking belegen der Südsudan, Syrien und Somalia.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. Januar 2019 um 10:01 Uhr.

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