Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zieht sich eine Schutzmaske mit bayerischem Rautenmotiv an. | dpa

Weniger Corona-Tests für Urlauber "Bayern will das nicht"

Stand: 25.08.2020 14:38 Uhr

Die Ferienreisezeit geht zu Ende - die Gesundheitsminister wollen daher Corona-Tests für Urlauber einschränken, um Kapazitäten für andere Bereiche zu schaffen. Doch aus Bayern gibt es Kritik. Und auch die Luftfahrtbranche ist unglücklich.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat die von den Gesundheitsministern von Bund und Ländern vorgeschlagenen Einschränkungen bei den Corona-Tests für Reiserückkehrer abgelehnt. "Bayern will das nicht", sagte der CSU-Chef im Bayerischen Rundfunk. Die Urlaubsrückkehrer ließen "gepaart mit einem großen Leichtsinn" überall in Deutschland das Infektionsgeschehen ansteigen.

"Der Urlaub ist genau das Risiko, vor dem wir immer gewarnt haben", sagte Söder. Mitte September stünden in einigen Bundesländern bereits wieder Herbstferien vor der Tür, warnte der CSU-Politiker. Die Überlegung, Tests abzuschaffen oder zu begrenzen, halte er "für nicht durchdacht."

Söder ist "grundlegend skeptisch"

Auch das Argument, die Testkapazitäten seien jetzt ausgeschöpft, greife nicht. Denn es sei noch fast ein Viertel der Kapazitäten frei. Quarantäne plus Tests seien "eine wichtige Sicherheit", zeigte sich der bayerische Ministerpräsident überzeugt. Bayern sei "grundlegend skeptisch", sagte er mit Blick auf die Vorschläge.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml untermauerte diese Position. "Die Diskussion zur Beendigung einer Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten ist verfrüht". Die Auswertungen aktueller Ausbruchsschwerpunkte von Corona-Infektionen zeige klar die Bedeutung von infizierten Reiserückkehrern an diesen Infektionsketten.

Auch die FDP zeigte sich unzufrieden mit dem von Gesundheitsminister Jens Spahn und den Gesundheitsministern der Länder geplanten Strategiewechsel. "Mit dem geforderten Ende von Pflichttests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten leistet Bundesgesundheitsminister Spahn den gesundheitspolitischen Offenbarungseid in einer immer länger werdenden Pannenserie mit einem die Menschen verunsichernden Zickzackkurs", sagte FDP-Bundestagsfraktionsvize Michael Theurer. Testen sei richtig, um einen zweiten Lockdown zu verhindern und die Gesundheit der Menschen zu schützen.

Grundsätzliche Quarantänepflicht

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich am Montag für neue Vorgaben bei den Corona-Tests ausgesprochen. Bei der Einreise aus einem Corona-Risikogebiet soll grundsätzlich eine 14-tägige Quarantänepflicht bestehen. Die Quarantäne soll frühstens fünf Tage nach der Einreise durch ein negatives Testergebnis beendet werden können. Die Möglichkeit, sich bei der Einreise aus einem Nicht-Risikogebiet kostenlos testen zu lassen, soll beendet werden. Die Beschlüsse der Gesundheitsminister sind Grundlage für die Gespräche von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Regierungschefs der Länder am Donnerstag. Sie wollen in einer Videokonferenz das weitere Vorgehen in der Coronakrise beraten.

Dabei sorgen die Beschlüsse der Gesundheitsminister nicht nur in der Politik für Widerspruch. Warnungen gibt es auch aus der Luftverkehrswirtschaft, die negative Auswirkungen der geplanten Änderungen auf ihr Geschäft fürchtet - vor allem, wenn Rückkehrer aus Risikogebieten vor einem Test tatsächlich mindestens fünf Tage in Quarantäne müssten.

"De facto eine Reisebeschränkung"

Eine pauschale Quarantänepflicht nach dem Besuch von Risikogebieten sei de facto eine Reisebeschränkung, die den Verkehr zum Erliegen bringe, erklärte der Präsident des Branchenverbandes BDL, Peter Gerber. "Damit werden erneut rund 80 Prozent der Flugziele im Luftverkehr mit Deutschland blockiert." Das sei ein "bitterer Rückschritt". Die verpflichtenden Covid-19-Tests hätten im Juli den Luftverkehr zu vielen Zielen überhaupt erst ermöglicht, erklärte der Lufthansa-Manager.

Es sei ein "alarmierendes Zeichen", dass die Testkapazitäten von den Behörden nicht hinreichend ausgebaut worden seien. Eine pauschale Quarantänepflicht sei nicht nur unverhältnismäßig, sondern obendrein auch schwerer zu kontrollieren als eine Testpflicht. Ein Rückbau der gerade erst aufgebauten Testinfrastruktur sei der falsche Weg.

Warnung vor "trügerischer Sicherheit"

Der Medizinische Dienst der gesetzlichen Krankenversicherungen bewertete unterdessen das Angebot von Covid-19-Antikörpertests beim Hausarzt kritisch. Die Bereichsleiterin "Evidenzbasierte Medizin", Michaela Eikermann, verwies auf eine nicht 100-prozentige Aussagekraft der Tests. Dies könne dazu führen, "dass sich Menschen in trügerischer Sicherheit wiegen". Eikermann warnte daher davor, aufgrund eines Testergebnisses die Abstands- und Hygieneregeln nicht mehr einzuhalten.

Die Tests werden von einigen Hausarztpraxen als sogenannte Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten. Laut MDS entstehen dafür je nach Test Kosten in Höhe von 17,50 bis zu 52 Euro, die der Patient selbst bezahlen muss. Zur Verfügung stehen Bluttests und sogenannte Schnelltests, die den Angaben zufolge aber als deutlich unzuverlässiger gelten.

Über dieses Thema berichtete BR5 aktuell am 25. August 2020 um 12:01 Uhr.