Schilder mit der Aufschrift "Corona Test" stehen vor einer Apotheke in der Innenstadt.  | dpa

Diskussion über neue Strategie Corona-Tests rücken wieder in den Fokus

Stand: 05.11.2021 11:32 Uhr

Angesichts stark steigender Infektionszahlen fordern immer mehr Politiker und Experten eine neue Strategie im Umgang mit dem Virus. Im Fokus steht vor allem das Testen. In mehreren Ländern tritt eine verschärfte Testpflicht in Kraft.

Immer neue Corona-Fälle in Pflegeheimen, Impfdurchbrüche und eine stetig steigende Sieben-Tage-Inzidenz: Angesichts der derzeitigen Lage in Deutschland ist die Debatte über die richtige Strategie im Umgang mit Corona voll entbrannt. Im Fokus steht vor allem das Testen - sowohl in Kliniken und Heimen als auch Allgemein.

Nachdem sich bereits gestern Gesundheitsminister Jens Spahn für eine Testpflicht in Pflegeheimen ausgesprochen hatte, schloss sich nun auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer der Forderung an. Eine bundesweite Testpflicht für Beschäftigte in Altenheimen und Krankenhäusern für Ungeimpfte zum Schutz der vulnerablen Gruppen ein sehr wichtiger Schritt, sagte die SPD-Politikerin im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF.

"Wir müssen weiter intensiv impfen können, wir müssen boostern können mit absolutem Hochdruck, und wir müssen die vulnerablen Gruppen stärker schützen können", sagte Dreyer. "Wenn wir diesen Dreiklang miteinander gehen, dann bin ich auch zuversichtlich, dass wir den Herbst und Winter schaffen können miteinander."

In Rheinland-Pfalz tritt die tägliche Testpflicht für ungeimpftes Pflegepersonal am kommenden Montag ebenso in Kraft wie in Hessen. In Baden-Württemberg und Bayern gibt es bereits seit Längerem verschärfte Testvorgaben.

In mehreren Bundesländern tritt verschärfte Testpflicht in Kraft

Auch Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci forderte, eine Testpflicht für geimpfte Besucher und Personal in Alten- und Pflegeheimen einzuführen. Die Berliner Regelung sei schon seit Monaten dafür, dass es für die Beschäftigten und Besucher, die nicht geimpft sind, eine tägliche Testpflicht gebe. "Der neue Vorschlag auf der Gesundheitsministerkonferenz ist ja, auch für die, die geimpft sind, eine Testpflicht einzuführen, weil wir ja wissen, dass es auch bei den Geimpften viele Impfdurchbrüche gibt und auch ein Infektionsrisiko", so die SPD-Politikerin.

Kretschmer fordert schnelles Bund-Länder-Treffen

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer forderte zudem ein schnelles Treffen der Ministerpräsidenten mit der Bundesregierung. Es sei nicht verständlich, warum es bei den steigenden Zahlen nicht sofort möglich sei, sich zu treffen, sagte Kretschmer im Deutschlandfunk.

"Wenn wir uns jetzt zu viel Zeit lassen, endet das wie im vergangenen Jahr mit einem Lockdown." Man müsse jetzt Maßnahmen treffen und nicht erst in zwei oder drei Wochen, sagte der Regierungschef weiter. "Wir müssen dieses Land vor einem Lockdown schützen." Dazu brauche man ein Infektionsschutzgesetz, das auch Werkzeuge an die Hand gebe, um der Pandemie wirklich entgegentreten zu können. In dem Zusammenhang sprach er sich auch für kostenlose Tests aus.

Es müsse außerdem deutlich werden, dass etwa die 2G-Regelung keine unzumutbare Belastung sei, sondern ein Instrument, um einen kompletten Lockdown zu verhindern. 2G bedeutet, dass zu bestimmten Orten nur noch Geimpfte und im letzten halben Jahr Genesene Zutritt bekommen und für Ungeimpfte Tests nicht ausreichen.

"Ich finde Regeln wie 2G relativ gefährlich"

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hält Regeln wie 2G dagegen für "relativ gefährlich" und setzt stattdessen auf verschärftes Testen - nicht nur in Alten- und Pflegeheimen. "Im letzten Herbst und Winter hat uns das Testen sehr gut geholfen", sagte Streeck der Deutschen Welle. "Wir sehen auch deutlich, dass Geimpfte sich infizieren und auch das Virus weitergeben können. Damit haben wir die Problematik, dass wenn diese Gruppe glaubt, sie ist nicht mehr Teil dieser Pandemie, wir sehr viel mehr unvorhersehbare Ausbrüche bekommen können", so Streeck.

Besorgt zeigte sich Streeck angesichts des Datenmangels: "Geimpfte werden in Deutschland fast gar nicht getestet, so dass wir nicht wissen, wie viele Geimpfte infiziert sind und das Virus weitergeben können." In Großbritannien dagegen werde systematisch getestet, um Unterschiede zwischen Geimpften und Ungeimpften in den Infektionszahlen zu erkennen und bestimmte Milieueinbrüche festzustellen.

Immuntests für Impfskeptiker?

Neben dem Testen fordern Patientenschützer ein Anrecht der Bürger auf kostenlose medizinische Immun-Kontrolle gegen das Virus. "Ein gesetzlicher Anspruch für alle Versicherten zur Überprüfung des Immunstatus ist überfällig. Das kann auch viele Impfskeptiker überzeugen", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, den Zeitungen der "Funke Mediengruppe". Doch werde derzeit die dafür notwendige Blutuntersuchung nicht von den gesetzlichen Krankenkassen getragen.

Brysch sprach sich erneut gegen eine Impfpflicht für Pflegekräfte aus. Regelmäßiges Testen sei dagegen sehr viel effektiver. Grund sei, "dass sich auch Geimpfte und Genesene mit Corona infizieren und das Virus unbemerkt an die Pflegebedürftigen weitergeben" könnten. Daher brauche es vielmehr eine bundesweit geltende tägliche Testpflicht für Personal und Besucher in den Pflegeheimen. Zwei Tests pro Woche, wie jetzt von der Politik vorgeschlagen, "reichen hier nicht aus".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. November 2021 um 12:00 Uhr.

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Moderation 05.11.2021 • 14:57 Uhr

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