Sicherheitskräfte patrouillieren am Stuttgarter Flughafen. | Bildquelle: RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX

Flughäfen ausgespäht Die "Islamonauten" aus Aachen

Stand: 20.12.2018 21:49 Uhr

An deutschen Flughäfen sind die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt worden. Der Grund: Vier Personen stehen im Verdacht, einen islamistischen Anschlag auf einen Flughafen geplant zu haben.

Von Michael Götschenberg und Holger Schmidt, ARD-Terrorismusexperten

Der Hinweis des marokkanischen Geheimdienstes erreichte die deutschen Behörden am 3. Dezember. Und er war erschreckend konkret. Es seien Personen in Europa unterwegs, um im deutsch-französischen Grenzgebiet einen Selbstmordanschlag zu begehen. Ein Flughafen sei das Ziel. Am "Fest der Ungläubigen" solle der Anschlag stattfinden.

Solche Hinweise kennen deutsche Behörden, es gibt sie wöchentlich zu Dutzenden aus vielen Ländern und die Weihnachtszeit ist seit vielen Jahren - auch schon vor dem Anschlag von Anis Amri in Berlin - eine Zeit, in der besonders viele solcher Warnungen eingehen.

ARD-Terrorexperte Holger Schmidt, SWR, über die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen
tagesthemen 22:15 Uhr, 20.12.2018

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Hinweis enthielt Namen

Doch dieser Hinweis aus Marokko war anders, denn er enthielt Namen, mit denen die Polizei arbeiten konnte und ergänzende Informationen, die man aus anderem Zusammenhang hatte.

Zwei Tage nach dem Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt waren der französischen Polizei nämlich zwei Männer am Flughafen Paris Charles-de-Gaulle aufgefallen. Sie waren in einem weißen Mercedes Sprinter-Kastenwagen mit deutschem Kennzeichen unterwegs und verhielten sich auffällig.

Nach einem Stopp vor dem Terminal sprang der Beifahrer des Wagens kurz aus dem Fahrzeug, machte Fotos des Flughafengebäudes - und kurz darauf fuhren die beiden Männer wieder weg. Wer genau in dem Fahrzeug saß, ist nicht sicher. Aber es gelang den Behörden immerhin, das Fahrzeug zu überprüfen.

Diese Überprüfung ergab, dass der weiße Sprinter genau auf den Namen zugelassen war, von dem der marokkanische Geheimdienst gesprochen hatte. Der Mann lebt in Aachen in Nordrhein-Westfalen und wird von den Sicherheitsbehörden der salafistischen Szene zugerechnet.

Bereits einen Tag zuvor, nämlich am 12. Dezember, hatte die Bundespolizei am Flughafen Stuttgart zwei Männer bemerkt, die ebenfalls den Flughafen und das Terminal fotografierten. Überwachungskameras filmten sie dabei, in der Leitstelle bemerkte man die Männer. Doch eine Streife kam zu spät, die Männer waren verschwunden.

Auf Videoaufnahmen konnte man sie aber im Nachhinein identifizieren. Es handelte sich um den Halter des Sprinters, der am Flughafen in Paris gesehen worden war. Der andere Mann war sein Sohn. Kann das noch ein Zufall sein?

Ermittlungsgruppe "Kranich" gegründet

Die Polizei in Baden-Württemberg gründete die Ermittlungsgruppe "Kranich". Die Bundespolizei verstärkte ihre Kontrollen an den Flughäfen: In Stuttgart patrouillieren robuste BFE+ Einheiten, die für Anti-Terror-Einsätze ausgebildet sind. An anderen Flughäfen sind die Maßnahmen diskreter. Dort laufen verstärkt Beamte in Zivil Streife.

Aus Marokko haben die Ermittler auch Chatprotokolle erhalten, die vier Personen zugeordnet werden. Sie lesen sich recht deutlich: "Sie führen Krieg gegen den Islam, meine Brüder und ich sind hier, um sie zu bekämpfen" steht unter anderem in den Chats. "Werde ich alleine sein?" fragt eine Person. "Nein, wir sind mehrere!", lautet die Antwort.

Die marokkanischen Ermittler nennen die Personen "Islamonauten" und meinen damit kampfbereite Islamisten. Deutsche Behörden kennen den Ausdruck "Islamonauten" gut. So hatten die Marokkaner in ihren Warnhinweisen auch Amri genannt, den Attentäter vom Breitscheidplatz 2016. Aktuell fahndet die Polizei nach vier Männern und einer Frau, darunter der Vater und sein Sohn. Keiner der Gesuchten war bisher als islamistischer Gefährder eingestuft.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 20. Dezember 2018 um 22:15 Uhr.

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