Eingang zum Gebäude der Bundesanwaltschaft | Bildquelle: dpa

Bundesanwaltschaft ermittelt Syrer wegen Folterverdachts festgenommen

Stand: 22.06.2020 11:21 Uhr

Die Bundesanwaltschaft hat einen syrischen Arzt festnehmen lassen. Er soll einen Mann in einem Gefängnis des Assad-Regimes gefoltert haben - das Opfer starb später. Gegen den Arzt wird nun wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ermittelt.

Die Bundesanwaltschaft hat einen syrischen Arzt wegen des Verdachts von Folterungen festnehmen lassen. Ihm werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt. Der Syrer Alaa M. wurde demnach am Freitagabend durch Beamte des Bundeskriminalamts in Hessen verhaftet.

Schläge mit Plastikrohren

Der Verdächtige war nach den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft im Jahr 2011 als Arzt in das Gefängnis des syrischen Militärgeheimdienstes in der Stadt Homs gerufen worden. Dort hatte ein Gefangener bei einer Folterung einen epileptischen Anfall erlitten. Einen Tag später verschlechterte sich demnach der Gesundheitszustand des Opfers. Der Karlsruher Mitteilung zufolge erschien der Verdächtige abermals, diesmal in Begleitung eines weiteren Arztes.

Beide hätten mit Plastikrohren auf das Opfer eingeschlagen, hieß es. Der Mann, der wegen der Teilnahme an einer Demonstration festgehalten wurde, starb später. Die Todesursache sei aber unklar, teilte die Anklagebehörde mit.

Seit Samstag in Untersuchungshaft

Der festgenommene Arzt verließ Syrien Mitte 2015 und reiste nach Deutschland, wo er weiter praktizierte. Der Mann wurde am Samstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Vor dem Oberlandesgericht Koblenz muss sich seit Mitte Mai im weltweit ersten Prozess um Mord und Folter durch den syrischen Staat ein Angeklagter wegen 58-fachen Mordes sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Er wies die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Juni 2020 um 11:00 Uhr.

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