Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier | dpa

Appell an Ungeimpfte "Was muss eigentlich noch geschehen?"

Stand: 15.11.2021 15:05 Uhr

Bundespräsident Steinmeier hat angesichts stark steigender Corona-Zahlen eindringlich dazu aufgerufen, sich impfen zu lassen. Zugleich forderte er verstärkte Anstrengungen gegen die Pandemie.

Angesichts rasant steigender Corona-Infektionen hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eindringlich zur Impfung aufgerufen. "Diejenigen, die sich nicht impfen lassen, setzen ihre eigene Gesundheit aufs Spiel, und sie gefährden uns alle", sagte Steinmeier in einer Diskussionsrunde im Berliner Schloss Bellevue. "Ich bitte Sie noch einmal: Lassen Sie sich impfen! Es geht um Ihre Gesundheit, und es geht um die Zukunft Ihres Landes!"

Zugleich forderte der Bundespräsident stärkere Anstrengungen gegen die Pandemie. "In diesen Wochen, in denen uns die vierte Welle mit brutaler Härte trifft, in denen auf den Intensivstationen wieder Tausende mit dem Virus ringen, in denen sich Kinder, Jugendliche und vor allem viele Ungeimpfte anstecken, in diesen Wochen müssen wir mehr tun, um diese Welle zu brechen", sagte Steinmeier.

"Wir wissen doch, was zu tun ist"

Die vierte Welle treffe alle härter als sie sie treffen müsste, sagte Steinmeier. "Denn wir wissen doch, was zu tun ist, um diese Pandemie endlich hinter uns zu lassen. Wir können es alle wissen." Die allermeisten Menschen in Deutschland ließen sich impfen, um sich und andere zu schützen.

Es seien vor allem Ungeimpfte, die sich in diesem Herbst mit dem Virus infizierten und es seien vor allem Ungeimpfte, die auf den Intensivstationen um ihr Leben kämpften. "Wenn ich höre, dass Menschen, die im Krankenhaus mit dem Virus ringen, noch immer bestreiten, dass es dieses Virus gibt, dann erschüttert mich das zutiefst", so der Bundespräsident.

Dies sei tragisch und besorge ihn zutiefst, sagte Steinmeier. "Wer jetzt immer noch zögert, sich impfen zu lassen, den will ich heute ganz direkt fragen: Was muss eigentlich noch geschehen, um Sie zu überzeugen?"

Schlüsse ziehen für künftige Krisen

Mit Blick auf mögliche Konsequenzen aus der Pandemie sagte Steinmeier: "Schon jetzt müssen wir uns fragen, ob wir - wir alle, in Politik und Gesellschaft - aus der zweiten und dritten Welle wirklich genug lernen wollten, ob nicht der Wunsch, die Gedanken an die Seuche endlich zu verbannen, einer konsequenten Abwehr der vierten Welle im Weg stand." Umso wichtiger sei es, jetzt Schlüsse zu ziehen und sich für künftige Krisen zu wappnen.

Dazu gehöre auch ein angemessenes Verhältnis von Wissenschaft und demokratischer Politik, so Steinmeier. "Wir dürfen die Grenzen zwischen beiden Sphären nicht verwischen, und wir dürfen die Perspektiven der Wissenschaft und die Anforderungen demokratischer Politik nicht gegeneinander ausspielen". Wenn die Politik sich hinter der Wissenschaft verstecke und oder die Wissenschaft sich an die Stelle der Politik setze, schwäche dies das Vertrauen in Wissenschaft und Demokratie.

Buyx appelliert an Poltik

In der Diskussionsrunde der Reihe "Forum Bellevue" sprach Steinmeier mit Expertinnen darüber, welche Lehren Staat und Gesellschaft aus der Pandemie ziehen sollten. Zu Gast waren die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, die Rechtswissenschaftlerin Laura Münkler und die schleswig-holsteinische Landtagsvizepräsidentin Aminata Touré.

Buyx appellierte an die Politik, viel stärker vorausschauend Entscheidungen zu treffen. Dann habe man mehr Zeit für Abstimmungsprozesse. Auch sollte die wissenschaftliche Politikberatung professionalisiert, institutionalisiert und besser verstehbar gemacht werden, um etwa auch in einer exponentiellen Wachstumssituation nachvollziehbar reagieren zu können.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. November 2021 um 14:04 Uhr.