Kevin Kühnert | dpa

Altkanzler Schröder Kühnert geht auf Distanz

Stand: 09.02.2022 19:14 Uhr

SPD-Generalsekretär Kühnert hat Altbundeskanzler Schröder vorgeworfen, die Grenze zwischen Geschäft und Politik zu verwischen. Das sei nicht nur nicht in Ordnung, "das ist sogar traurig", so Kühnert.

SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert hat sich von den Aktivitäten des früheren SPD-Bundeskanzlers Gerhard Schröder distanziert. Der Altbundeskanzler stelle "geschäftliche Interessen in den Vordergrund seines Handelns", sagte Kühnert dem Berliner "Tagesspiegel".

"Er verwischt dabei die Grenze zwischen seiner Geschäftstätigkeit und dem Gehör, das er als erfahrener Ex-Regierungschef findet. Das ist nicht nur nicht in Ordnung, das ist sogar traurig", so Kühnert.

Schröder warf Kiew "Säbelrasseln" vor

Schröder hatte sich in der Vergangenheit immer wieder zur Ukraine-Krise geäußert. Zuletzt warf er Kiew "Säbelrasseln" vor. Dieser Vorwurf sei "eine offenkundige Verdrehung der Tatsachen und, mit Verlaub, einfach Mumpitz", so Kühnert. Russland soll mehr als 100.000 Truppen an der ukrainischen Grenze stationiert haben.

Kurz nach den Äußerungen wurde bekannt, dass Schröder für den Aufsichtsrat des russischen Konzerns Gazprom nominiert wurde. Er ist bereits Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Nord Stream AG, Präsident des Verwaltungsrats bei der Nord Stream 2 AG und Aufsichtsratschef beim staatlichen russischen Energiekonzern Rosneft.

Kühnert: "Grenzüberschreitung"

Schröders Lobbyismus für die russischen Gasgeschäfte beschäftigten ihn "als Sozialdemokrat und Generalsekretär meiner Partei sehr", so Kühnert. Er sei überzeugt, dass frühere Bundeskanzler eine wichtige Rolle in der Diplomatie spielen könnten.

Auch Schröder habe das vielfach getan, aber nun gebe es "eine Grenzüberschreitung zwischen der Sphäre des Geschäftlichen und der der internationalen Politik", so Kühnert.

Kühnert verweist auf die früheren SPD-Bundeskanzler Willy Brandt, der sich nach seiner Amtszeit in der Sozialistischen Internationale aufopferungsvoll um den Ausgleich zwischen globalem Norden und Süden bemüht habe, und Helmut Schmidt, der zum "nimmermüden Reisenden und Weltenerklärer für eine ganze Nation“ geworden sei.

Über dieses Thema berichtete das Nachtmagazin am 01. Februar 2022 um 00:16 Uhr.