Bundesgesundheitsminister Spahn bei einer Pressekonferenz in Berlin. | AFP

Reihenfolge steht fest Lob und Kritik für Spahns Impfplan

Stand: 18.12.2020 17:51 Uhr

Die Reaktionen auf den Corona-Impfplan fallen gemischt aus. Während der Städte- und Gemeindebund die Priorisierung lobt, kommt von Hausärzten, Heimbetreibern und Patientenschützern teils scharfe Kritik.

Mit Blick auf den Impfplan der Bundesregierung hat der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg, Berthold Dietsche, kritisiert, dass Hausärzte nicht vorrangig geimpft werden sollen. Im SWR nannte der die Entscheidung "völlig unbegreiflich". Dabei hätten sie von früh bis spät Kontakt mit teils hochinfektiösen Erkrankten, sagte Dietsche.

Es fehle ihm jedes Verständnis, dass Hausärzte nun bei der Impfung nicht höchste Priorität hätten. Die Allgemeinmediziner stünden seit neun Monaten "an der vordersten Front der Corona-Bekämpfung", gab der Verbandschef zu bedenken.

Kritik von Patientenschützern und Heimbetreibern

Kritik kam auch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Pflegende Angehörige müssten auf dieselbe Stufe gesetzt werden wie die Pflegebedürftigen selbst, erklärte Vorstand Eugen Brysch. "Das macht auch praktisch Sinn, denn in der Regel bringen die pflegenden Angehörigen die hochbetagten Menschen zu den Impfzentren." Ebenso müssten intensivbeatmete, schwerkranke Patienten, die zuhause versorgt werden, auf die Prioritätsstufe 1 gesetzt werden.

Heimbetreiber befürchten gravierende Probleme bei Corona-Impfaktionen in Altenheimen. "Zwei Drittel der Heimbewohner sind demenzkrank. Ohne die Einwilligung des gesetzlichen Betreuers oder eines Angehörigen ist die Impfung ausgeschlossen", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Herbert Mauel, der "Welt". Die Impfaktionen in den Heimen müssten also so organisiert werden, dass eine gesetzliche Einwilligung zu diesem Zeitpunkt vorliege. Mauel sprach von einem "logistischen Megaprojekt".

Lob von Ländern und Kommunen

Der Städte- und Gemeindebund lobte hingegen die Impfverordnung des Gesundheitsministeriums. Die Strategie mit zunächst frei priorisierten Gruppen sei "völlig richtig", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes, Gerd Landsberg, der "Rheinischen Post".

Geklärt werden müsse allerdings noch, wer als Risikopatient eingestuft werde. Eine einfache Bescheinigung des Hausarztes sei dafür nicht ausreichend. "Denkbar wäre es, wenn etwa die Krankenkassen den Betroffenen eine schriftliche Bestätigung schicken würden, die sie eindeutig als Risikopatient ausweist", schlug Landsberg vor.

Auch der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil lobte die Rechtsverordnung. "Es ist richtig, dass wir direkt und indirekt zunächst diejenigen schützen, bei denen das Risiko, bei einer Corona-Infektion schwer krank zu werden oder sogar zu sterben, besonders hoch ist." Auch die weiteren Priorisierungen halte er für sehr gut nachvollziehbar und ethisch geboten.

Drei Gruppen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat bei seinem Impfplan drei Gruppen in absteigender Priorität vorgesehen. Begonnen werde voraussichtlich ab 27. Dezember mit den Pflegeeinrichtungen und den über 80-Jährigen. "Die Schwächsten zu schützen, ist das erste Ziel unserer Impfkampagne." Dies werde ein bis zwei Monate dauern. Auch Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger in Kliniken gehörten zur ersten Priorität. Aber in den ersten Tagen werde zuallererst in den Pflegeeinrichtungen geimpft.

Bei der ersten Impfgruppe habe er sich nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) gerichtet, so Spahn. Die Verordnung weicht von der Stiko-Empfehlung jedoch etwas ab und priorisiert statt in sechs in drei Stufen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.

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