Bundesgesundheitsminister Jens Spahn | AFP

Ausbreitung der Delta-Variante Spahn warnt vor "Sorgenherbst"

Stand: 24.06.2021 15:50 Uhr

Gesundheitsminister Spahn hat wegen der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus Vorsicht angemahnt - vor allem bei Reisen. Experten schätzen die Gefahr derzeit als gering ein - sofern sich möglichst viele Menschen impfen lassen.

Angesichts der Ausbreitung der als besonders ansteckend geltenden Delta-Variante des Coronavirus mahnt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur Vorsicht. "Ich appelliere an alle Reisenden, sich sorgsam über das Infektionsgeschehen zu informieren, Testangebote anzunehmen und die Quarantänepflichten ernst zu nehmen", sagte Spahn dem "Handelsblatt".

Auf die Frage, ob die Menschen trotz Delta-Variante sorglos ihren Urlaub buchen könnten, sagte er: "Grundsätzlich ja. Bei Reiseländern, die von der Delta-Variante bereits stark betroffen sind, sieht das aber anders aus." Dort sei das Risiko, sich anzustecken und die Virusvariante nach Hause zu bringen, viel höher. Auf einen Urlaubssommer dürfe kein "Sorgenherbst" folgen.

Delta-Anteil verdoppelt

Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) wächst in Deutschland der Anteil der als besorgniserregend eingestuften Delta-Variante deutlich - bei insgesamt weiter rückläufiger Sieben-Tage-Inzidenz. Er verdoppelte sich in einer Stichprobe im Vergleich zur Vorwoche fast und liegt nun bei 15,1 Prozent, wie aus einem RKI-Bericht vom Mittwochabend hervorgeht. Die Angabe bezieht sich auf die Woche vom 7. bis 13. Juni.

In den Daten ist damit nun in der dritten Woche in Folge eine ungefähre Verdopplung des Delta-Anteils abzulesen: von vier auf acht und nun auf 15 Prozent. Delta ist nach RKI-Angaben in den vergangenen vier Wochen in allen Bundesländern nachgewiesen worden. Zu rund 1440 Fällen lägen in diesem Zeitraum Informationen aus dem Meldesystem vor.

Merkel warnt vor Leichtfertigkeit

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Mittwoch im Bundestag mit Blick auf die Delta-Variante vor Rückschlägen gewarnt. "Wir dürfen jetzt das, was wir gemeinsam erreicht haben, nicht leichtfertig riskieren", mahnte sie.

Zwar sei die dritte Welle gebrochen - die Pandemie aber nicht vorbei. Die etwa in Portugal und Russland stark steigenden Neuinfektionen mit der Delta-Variante sowie der auch in Deutschland steigende Anteil an den Infektionen müsse "Warnung und Auftrag zugleich sein".

Experten: Weniger schwere Erkrankungen

Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, hält die Gefahr durch die Delta-Variante derzeit für überschaubar. "Jetzt in der aktuellen Situation haben wir noch etwas Luft", sagte Watzl bei tagesschau24. Man sehe zwar, dass der Anteil mit der Delta-Variante nach oben gehe. "Aber das liegt einfach nur daran, dass die Anzahl der Infektionen mit Delta stabil bleibt und die Infektionen mit den anderen Varianten heruntergehen", sagte Watzl.

Bereits jetzt könne man aber absehen, dass sich die neue Virusvariante bis zum Herbst durchsetzen werde, so Watzl. Bis dahin sei es wichtig, möglichst viele Menschen geimpft zu haben.

Der Virologe Klaus Stöhr sieht derzeit keine dramatischen Auswirkungen der Delta-Variante auf die Pandemie. "Zum Glück sehen wir jetzt - und das sind die Zahlen aus England -, dass sich die Delta-Variante höchstwahrscheinlich etwas leichter übertragen lässt, aber die Erkrankungsschwere scheint vierfach geringer zu sein", sagte Stöhr dem MDR. Er sehe keinen Grund, "irgendetwas bei der Pandemiebekämpfung zu verändern und auch jetzt schon zu diskutieren, dass man im Herbst vielleicht die Schulen nicht öffnet."

Braun: Impfungen können Lockdown verhindern

Nach Einschätzung von Kanzleramtsminister Helge Braun kann eine möglichst hohe Corona-Impfquote erneute drastische Maßnahmen verhindern - trotz der Ausbreitung der Delta-Variante. Wenn sich zwei Drittel der Bürger, also rund 55 Millionen Menschen, impfen lassen, "muss man dann auch nicht über einen Lockdown oder so nachdenken", sagte der CDU-Politiker im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Die Impfkampagne geht derweil weiter voran. Laut RKI haben 52,2 Prozent der Menschen (43,4 Millionen) in Deutschland mindestens eine Impfdosis gegen das Coronavirus erhalten. Etwa jeder Dritte (27,8 Millionen) ist nun vollständig gegen das Coronavirus geimpft.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Juni 2021 um 16:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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logig 24.06.2021 • 21:42 Uhr

an 0_Panik um 21:04

"Haben doch Wissenschaftler /innen seinerzeit und damals die Inzidenz-Zahl kreiert, die sich seit dem als untauglich in der Bewertung des Infektionsgeschehens darstellt." Das ist so nicht richtig. Sie ist ein brauchbares Instrument, wenn man mit ihr nur richtig umgegangen wäre und nicht immer höhere Grenzwerte gesetzt hätte. Das alles weil man sich nicht entschließen konnte, die Inzidenz in geeigneter Weise niedrig zu halten.