Schüler nehmen am Unterricht teil und tragen Mundschutze | dpa

Vor Bund-Länder-Beratungen Spahn schlägt neues Konzept für Schulen vor

Stand: 22.11.2020 16:50 Uhr

Gesundheitsminister Spahn will verhindern, dass in der Corona-Krise Schulen schließen müssen. Sein Vorschlag: Sobald ein Infektionsfall auftritt, soll die ganze Klasse in die häusliche Isolation geschickt werden.

In der Debatte über Corona-Infektionen bei Schülern hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ein neues Konzept vorgeschlagen, um die Schließung ganzer Schulen zu verhindern. "Für die Kinder und ihre Eltern ist es sehr wichtig, dass Schulen und Kitas offen bleiben", sagte Spahn den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland im Vorfeld der neuen Bund-Länder-Beratungen.

Der Minister schlug Schnelltests vor. Bei Infektionsfällen soll sofort die gesamte betroffene Klasse zu Hause isoliert werden. "Nach negativen Schnelltests am fünften Tag könnten die Schülerinnen und Schüler wieder in die Schule zurückkehren", sagte Spahn. Ob dies umsetzbar sei, müsse noch besprochen werden. Es gelte, pragmatische Lösungen zu finden.

Am Mittwoch wollen die Länderregierungschefs und Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut über die Corona-Regeln beraten. Im Vorfeld gibt es vermehrt Forderungen, die Lage an den Schulen verstärkt in den Blick zu nehmen.

GEW fordert kostenlose Masken

Die Bundesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlis Tepe, forderte kostenlose Masken für Schüler und Lehrer. Lehrkräfte sollten auf Wunsch zudem besonders gut schützende FFP2-Masken kostenlos bekommen, sagte Tepe den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Wenn die Schulen so lange wie möglich offengehalten werden sollten, müsse der Infektionsschutz höchste Priorität haben. Dazu gehörten "neben dem Wechselunterricht auch Hygienemaßnahmen, Abstand halten, regelmäßiges Lüften der Räume sowie das zeitweise Tragen von Masken in der Schule".

Zeitliche befristete Maskenpflicht?

Wie das Nachrichtenportal "ThePioneer" am Samstag berichtete, schlagen die Kultusminister der Länder zur Eindämmung von erhöhtem Infektionsgeschehen an Schulen zeitlich befristet eine Maskenpflicht an weiterführenden Schulen vor. Ab der Oberstufe soll demnach außerdem "rollierender Präsenzunterricht" in verkleinerten Lerngruppen zum Einsatz kommen und im zweiten Schritt auf Klassenstufen in der Sekundarstufe I erweitert werden. Der Unterrichtsbeginn könne gestaffelt erfolgen, um die Infektionsgefahr im öffentlichen Nahverkehr zu reduzieren. 

Zugleich wird in einem Beschlusspapier der Kultusministerkonferenz dem Bericht zufolge betont, dass Präsenzunterricht vor Ort in den Schulen "der bessere Weg" sei. Viele Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Familien würden durch Distanzunterricht in ihren Lernprozessen benachteiligt. An von Infektionen betroffenen Schulen solle es vermehrte, zeitnahe Testungen geben.

Merz: Hotels als Unterrichtsräume nutzen

Der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz, brachte unterdessen die Nutzung von derzeit weitgehend geschlossenen Hotels für den Schulunterricht ins Gespräch. "Man könnte in Hotels ausweichen oder in sonstige große Räumlichkeiten, und die Schulen könnten zeitversetzten Unterricht anbieten", sagte Merz dem "Tagesspiegel".  Entscheidend sei, den Unterrichtsausfall so gering wie möglich zu halten. "Die Schäden, die sonst entstehen, kann man mit Geld nicht beheben", warnte Merz. Die Verantwortlichen müssten mehr Fantasie entwickeln, wie der Unterricht aufrecht erhalten werden könne.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. November 2020 um 16:00 Uhr.