CSU-Chef Söder. | LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/Shutt

Coronavirus Bayern verhängt Ausgangsbeschränkungen

Stand: 20.03.2020 13:53 Uhr

Bayern hat aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus eine zweiwöchige Ausgangsbeschränkung verhängt. "Wir müssen jetzt handeln", sagte Ministerpräsident Söder.

Zur Eindämmung des Coronavirus hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder weitreichende Ausgangsbeschränkungen für den ganzen Freistaat angekündigt. Dies gelte ab Freitagnacht, 24 Uhr, für vorläufig zwei Wochen, kündigte Söder an. Zu viele Menschen seien noch immer draußen in Gruppen unterwegs. Dies sei nicht zu akzeptieren.

Das Verlassen der eigenen Wohnung ist ab Samstag nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Söder: "Müssen jetzt handeln"

Corona habe das Land fest im Griff, so Söder. "Wir müssen jetzt handeln", sagte er. Es sei in den vergangenen Tagen viel getan worden, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, doch es sei noch viel mehr nötig. "Wir fahren das öffentliche Leben nahezu vollständig herunter", sagte der Regierungschef.

Es gehe der Landesregierung aber nicht darum, alles zuzusperren und einen "Lagerkoller" bei den Menschen zu verursachen. "Frische Luft tut gut", sagte Söder. Sport im Freien und Spaziergänge sind weiterhin erlaubt. Allerdings dürfe es keine Menschenansammlungen mehr geben. Die Polizei werde dies kontrollieren. Wer gegen die Vorgaben verstoße, müsse mit hohen Bußgeldern rechnen.

Appell an Arbeitgeber

Auch könne jeder nach wie vor zur Arbeit gehen, insofern dies notwendig sei und nicht von zu Hause aus gemacht werden könne. Söder appellierte an die Arbeitgeber, Mitarbeitern Arbeit von zu Hause zu ermöglichen und an den Arbeitsstätten für nötige Sicherheitsabstände unter den Menschen zu sorgen. Weitergehende Maßnahmen seien zudem denkbar. Söder appellierte an alle Bürger: "Bleiben Sie zu Hause."

"Wir müssen versuchen, die Welle der sprunghaften Infektionen zu brechen", begründete er die Ausweitung der Einschränkungen. Die Entwicklung dürfe nicht verschleppt werden. Die Maßnahmen folgten einhelligen Empfehlungen von Experten. Bayern werde sich ab sofort "eins zu eins" an Österreich orientieren.

Einschränkung von Besuchen in Pflegeheimen

Bis auf Liefer- und Mitnahmedienste werden Gaststätten geschlossen, ebenso Bau- und Gartenmärkte. Besuche in Pflegeheimen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen seien nur noch in Sterbefällen gestattet. In Krankenhäusern dürfen Eltern kleiner Patienten oder Väter bei Geburten noch zu Besuch kommen.

Schulen und Kindergärten waren in Bayern bereits Anfang der Woche geschlossen worden. Auch zahlreiche Geschäfte dürfen nicht mehr öffnen.

Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar

Eine Ausgangssperre gilt in Bayern seit Mittwoch bereits für eine Gemeinde in der Oberpfalz und seit gestern für zwei Gemeinden in Oberfranken, und zwar jeweils wegen schnell und stark steigender Corona-Zahlen. Die Zahl der Infizierten in Bayern sei seit gestern um mehr als 35 Prozent oder 817 Fälle gestiegen, die Zahl der Toten sogar um 50 Prozent auf 15, sagte Söder. Die Infektionsketten seien praktisch nicht mehr nachvollziehbar.

Inwieweit der Bund dem Beispiel Bayerns folgen wird, ist offen. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird mit den Ministerpräsidenten der Länder am Sonntag über die Notwendigkeit weiterer Schritte beraten.