Schülerinnen und Schüler sitzen mit Mundschutz im Unterricht. | dpa

Ferienende in weiteren Bundesländern Schulstart - mit und ohne Maske

Stand: 10.08.2020 12:47 Uhr

Drei weitere Bundesländer starten heute mit dem Unterricht nach den Sommerferien: Schleswig-Holstein, Berlin und Brandenburg verfolgen dabei unterschiedliche Konzepte - mit und ohne Maskenpflicht.

In drei weiteren Bundesländern enden heute die Sommerferien. Normal wird der Unterrichtsstart in Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein jedoch nicht. Denn wegen der Corona-Pandemie gelten verschiedene Auflagen - doch die sind nicht überall gleich:

In Schleswig-Holstein wird den Schülern ab Klasse 7 empfohlen, auch im Unterricht eine Maske zu tragen. Verpflichtend ist dies jedoch nicht. Bildungsministerin Karin Prien lehnt eine Maskenpflicht in der Schule, wie sie andere Länder haben, als zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht verhältnismäßig und nicht verfassungskonform ab. Erneute Schulschließungen wie im Frühjahr sollen unbedingt vermieden werden. Eine Schule bei Husum wurde allerdings schon vor dem Start vorsorglich geschlossen. Dort hatte sich eine Lehrerin mit dem Coronavirus infiziert.

Kritik an Schulstart in Berlin

Anders sind die Regelungen in Berlin: Dort gilt eine Maskenpflicht für Schulgebäude, die Lehrer und Schüler einzuhalten haben. Sie kommt auf Fluren, in Aufenthalts- und Begegnungsräumen zum Tragen, nicht jedoch im Unterricht oder auf dem Schulhof. Weitere Maßnahmen zum Schutz vor Sars-CoV-2 sind in einem landesweiten Musterhygieneplan und individuellen Schulplänen verankert.

Offiziell soll es in der Hauptstadt wieder einen Regelbetrieb für die rund 370.000 Schüler geben. Die Lehrergewerkschaft GEW hält das jedoch für illusorisch und nennt die Pläne mit Blick auf Infektionsgefahren fahrlässig. Skeptisch zeigte sich auch die Vorsitzende der Vereinigung der Schulleiter von integrierten Sekundarschulen (ISS), Miriam Pech. Aus ihrer Sicht wäre eine Mischung aus Präsenz- und digitalem Unterricht die bessere Variante gewesen. Die Opposition im Abgeordnetenhaus hält die Vorbereitungen ebenfalls für unzureichend. Bildungssenatorin Sandra Scheeres ließ dagegen am Wochenende erklären: "Berlin geht verantwortungsbewusst ins neue Schuljahr."

Das Verwaltungsgericht Berlin entschied in einem Eilverfahren, dass die Aufhebung des Mindestabstands in Schulen rechtmäßig war. Der Unterricht an öffentlichen Schulen könne effektiv nur als Präsenzunterricht und aufgrund personeller und räumlicher Zwänge nur in voller Klassenstärke gewährleistet werden. Das sei nur unter Verzicht auf den Mindestabstand möglich.

"Wir müssen öffnen, auch wenn es unbequem ist"

In Brandenburg gilt in Fluren, Treppenhäusern und Mensen eine Maskenpflicht für Schüler und Lehrer, aber nicht in Klassenräumen und auf Schulhöfen.

Weil das Kabinett erst am Dienstag über die Corona-Verordnung berät, ist der Mund-Nasen-Schutz in Schulen zunächst freiwillig. Im Hygieneplan ist ein Mindestabstand von 1,50 Metern für Lehrer untereinander festgeschrieben, nicht aber für Schüler. Sie sollen aber so im Klassenraum sitzen, dass enge Kontakte während des Unterrichts minimiert werden.

"Wir müssen öffnen, auch wenn es unbequem und kritisch ist. Aber was ist die Alternative?", so René Mertens, Vorsitzender des Landeselternrates Brandenburg. Trotz andauernder Corona-Pandemie geht der Unterricht an den Bildungseinrichtungen im ganzen Land wieder regulär los.

NRW: Forderung nach großzügigeren Hitzefrei-Entscheidungen

Am Mittwoch startet mit Nordrhein-Westfalen auch das bevölkerungsreichste Bundesland mit dem Unterricht. Dort hat die Landesregierung eine Maskenpflicht an weiterführenden und berufsbildenden Schulen auch im Unterricht eingeführt. Ministerpräsident Armin Laschet verteidigte diese Entscheidung erneut. "Es ist nicht erträglich, wenn Kinder weiter nicht in der Schule sind", sagte er. Daher seien Vorsichtsmaßnahmen vor allem zu Schulbeginn erforderlich, weil es dann viele Reiserückkehrer gebe. Die Maskenpflicht sei zudem zunächst befristet bis Ende August.

Der Städtetag Nordrhein-Westfalen unterstützt grundsätzlich die Maskenpflicht zum Schuljahresbeginn, fordert aber praxistaugliche Erleichterungen. "An heißen Sommertagen brauchen wir dann großzügigere Hitzefrei-Entscheidungen", sagte der Vorsitzende des Städtetags, Pit Clausen.

In Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg läuft das neue Schuljahr bereits. Nachdem an zwei Schulen in MV Corona-Fälle aufgetreten waren, mussten die Einrichtungen wieder schließen.

In Hamburg lehnte das Verwaltungsgericht den Eilantrag eines Bürgers ab, die Maskenpflicht auch im Unterricht beizubehalten. Den staatlichen Stellen komme bei der Erfüllung ihrer Schutzpflicht für Leben und Gesundheit ein "erheblicher Einschätzungs-, Wertungs- und Gestaltungsspielraum" zu, erklärten die Richter. Das Land muss Schüler und Lehrer damit nicht zum Tragen einer Maske im Unterricht verpflichten.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. August 2020 um 06:01 Uhr.