Ein Soldat räumt Schnee von einem Dach | Bildquelle: dpa

Winter in den Alpen Bundeswehr hilft im Schneechaos

Stand: 11.01.2019 18:48 Uhr

Angesichts der Schneemassen greift jetzt zunehmend auch die Bundeswehr ein: Hunderte Soldaten räumen beispielweise Schnee von Dächern. Und das ist dringend notwendig, denn ab morgen kommt neuer Schnee.

Das Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr hat angesichts der Schneemassen den sogenannten Militärischen Katastrophenalarm ausgelöst. Rund 340 Gebirgsjäger seien derzeit im Einsatz, weitere 300 in Bereitschaft versetzt worden, teilte die Bundeswehr mit. Die Soldaten räumen vor allem Dächer, versorgen von den Schneemassen eingeschlossene Menschen oder übernehmen Transportaufgaben und medizinische Versorgung.

Grundlage für den Einsatz ist der Artikel 35 Grundgesetz, Absatz 1, der technisch-logistische Unterstützung im Zuge der Amtshilfe vorsieht - etwa bei Naturkatastrophen oder besonders schweren Unglücksfällen. Es handele sich "nicht um einen Einsatz" und es würden entsprechend "keine hoheitlichen Aufgaben" übernommen, stellte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums klar.

Angefordert werden muss die Amtshilfe von den zuständigen Behörden oder von Polizei und Feuerwehr, denn Katastrophenhilfe ist Ländersache. Weitere Einheiten, die in Bereitschaft versetzt wurden, sind das Landeskommando in Bayern, Transporthubschrauber in Niederstetten sowie Logistiker, Feldjäger, das Verpflegungsamt in Oldenburg sowie mehrere Sanitätseinheiten. Insgesamt wurden zwölf Dienststellen und Verbände alarmiert.

Kettenfahrzeug, das für die Versorgung von Berchtesgaden-Buchenhöhe eingesetzt wird | Bildquelle: dpa
galerie

Dieses Kettenfahrzeug wird zur Versorgung des Berchtesgadener Ortsteils Buchenhöhe eingesetzt, der weiterhin abgeschnitten ist.

Neue Schneemassen ab Samstag

Nach einer kurzen Unterbrechung der starken Schneefälle kommen auf Bayern neue unwetterartige Schneemassen zu. Nach Angaben des Deutsche Wetterdienstes (DWD) soll es von Samstagabend bis zum Dienstag wieder starke Schneefälle in der Region mit Neuschnee von gebietsweise mehr als einem Meter geben.

Laut DWD stieg die mittlere Schneehöhe vom 2. bis zum 11. Januar von 23 Zentimetern auf 136 Zentimeter. In den besonders stark betroffenen Gebieten versuchten Einsatzkräfte, durch das Räumen der Dächer die Schneelast von den Gebäuden zu nehmen.

Katastrophenfall in fünf Landkreisen

Als fünfter bayerischer Landkreis rief am Freitag der Landkreis Garmisch-Partenkirchen den Katastrophenfall aus. Am Donnerstagabend hatte auch der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen den Katastrophenfall erklärt. Besondere Sorgen bereitete den Rettungskräften die Schneelast auf Dächern und Bäumen.

In mehr als 20 bayerischen Landkreisen fiel heute der Schulunterricht aus. Der Landkreis Traunstein ordnete bereits bis Mittwoch Schulausfall an. Grund sei, dass alle beteiligten Behörden und Einsatzkräfte die Sicherheit an Schulen und öffentlichen Gebäuden im gesamten Landkreis überprüfen müssten. Dazu zählten unter anderem die Dächer.

Der bayerische Staatsforst warnte vor Lebensgefahr durch das Betreten der Wälder. Alle Arbeiten im Wald seien eingestellt, selbst die Förster mieden die Wälder inzwischen.

In Lenggries verunglückte der Fahrer eines Schneeräumfahrzeugs tödlich. Auf einer Brücke kippte sein Fahrzeug um und stürzte in einen Zulauf der Isar. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er seinen schweren Verletzungen erlag.

Merkel dankt Helfern

Bundeskanzlerin Angela Merkel dankte den Helfern. Eine Regierungssprecherin sagte, die Kanzlerin lasse sich "fortlaufend" über die Lage informieren. Besonders betroffen zeigte sie sich über den Tod eines am Donnerstag von einem unter der Schneelast zusammengebrochenen Baum erschlagenen Neunjährigen bei München.

Die Lage auf den Straßen und im Bahnverkehr blieb ebenfalls angespannt. Auf der Autobahn 8 mussten in der Nacht zum Freitag Autofahrer bei heftigen Schneefällen Stunden im Stau verbringen. Rettungskräfte des Roten Kreuzes und des Technischen Hilfswerks versorgten die auf der voll gesperrten Autobahn im Bereich des Chiemsees feststeckenden Menschen mit warmen Getränken. Die Autobahn musste nach mehreren Unfällen voll gesperrt werden, eine Reihe von Lastwagen war liegen geblieben.

Schneemassen im österreichischen Mariazell | Bildquelle: dpa
galerie

Auch im niederösterreichischen Mariazell türmt sich der Schnee.

Entspannung in Österreich

In Österreich konnten Hubschrauber eine 66-köpfige deutsche Schülergruppe vom abgeschnittenen Hochberghaus am Kasberg in Grünau holen, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. Die Schüler seien zum Skikurs dorthin gereist, sie hätten wegen der Schneemengen aber in der Hütte bleiben müssen. Im südlichen Niederösterreich blieben mehrere Skigebiete weiter geschlossen.

Die Fernpassstraße in Tirol (B179) wird wegen der Wetterprognosen vorsichtshalber für mehrere Tage gesperrt. Nach Angaben des österreichischen Automobilclubs ÖAMTC tritt die Sperre zwischen den Orten Bichlbach und Lermoos am Freitag um Mitternacht in Kraft und gilt bis Dienstag, 19.00 Uhr. Davon betroffen sein könnten auch viele deutsche Urlauber und Pendler, da es sich bei der Fernpassstraße um eine Hauptreiseroute aus Deutschland handelt.

Die deutsche Autobahn A7 wird am Grenztunnel Füssen zur österreichischen B179. Die Sperrung kann nur großräumig über Ehrwald und Garmisch-Partenkirchen umfahren werden.

Die Meteorologen rechnen in den nächsten Tagen wieder mit teils kräftigen Schneefällen in weiten Teilen der österreichischen Alpen.

1/13

Schneechaos in Teilen Deutschlands und Österreichs

Schneechaos: Soldaten räumen Flachdach

In den vergangenen Tagen sind riesige Mengen Schnee in den Alpen gefallen. Dächer sind in Gefahr. In Rosenau in Österreich arbeiteten Soldaten daran, den Schnee von einem Produktionsgebäude zu bekommen. Als sie damit fertig waren, brach das Dach dennoch ein. | Bildquelle: dpa

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Januar 2019 um 14:00 Uhr und um 17:00 Uhr.

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

Darstellung: