Rettungswesten liegen an einem griechischen Strand  | Bildquelle: AP

Flüchtling als Schleuserhelfer "Opfer und Täter zugleich"

Stand: 14.11.2019 17:14 Uhr

Ein Flüchtling, der auf dem Weg übers Mittelmeer die Schleuser unterstützt, wird selbst zum Straftäter. Das bestätigte der Bundesgerichtshof. Bei einer Schleuserfahrt waren 35 Menschen ums Leben gekommen.

Der Bundesgerichtshof hat das Urteil gegen einen afghanischen Flüchtling wegen Beihilfe zum Einschleusen von Ausländern mit Todesfolge bestätigt. Das Landgericht Osnabrück hatte den Mann zu anderthalb Jahren auf Bewährung verurteilt. Die Karlsruher Richter verwarfen nun die Revision.

Afghane fungierte als Ansprechpartner

Der Fall sei tragisch, sagte der Vorsitzende Richter, Jürgen Schäfer. "Der Angeklagte ist Opfer und Täter zugleich." Der Afghane war auf einem Boot unterwegs, das von der Türkei aus nach Griechenland fahren sollte. Das Boot kenterte, mindestens 35 Menschen starben, der Afghane wurde gerettet. Für die Verurteilung habe es gereicht, dass der Mann im Auftrag der Schleuser als Ansprechpartner fungierte. Er habe nicht viel mehr, aber doch etwas mehr getan, als für seine eigene Einreise nötig gewesen sei. Entscheidend sei die Zusage an die Schleuser und deren Einhaltung.

Angeklagter bekam kein Geld

Der Mann hatte zwei Frauen und deren Kindern zum Beispiel beim Transport ihres Gepäcks geholfen. Geld hatte er dafür nicht bekommen. Vor dem Landgericht Osnabrück hatte der Angeklagte angegeben, er habe sich Vorteile davon versprochen, bei seiner Weiterreise in der EU in Begleitung von Frauen und Kindern zu sein. Beide Frauen und vier Kinder waren bei dem Unglück vor der griechischen Küste unter den Todesopfern.

KOMMENTAR: Strafe für "Gentleman"- Flüchtling - muss das sein?
Gigi Deppe, SWR
14.11.2019 18:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. November 2019 um 20:00 Uhr.

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