Ein Mitarbeiter der Polizeibehörde steht bei einer Razzia wegen bandenmäßiger Scheinehen vor einem Restaurant in Leipzig. | Bildquelle: dpa

Nach Scheinehen-Razzia Untersuchungshaft für 16 Beschuldigte

Stand: 12.07.2019 15:27 Uhr

Nach einer großangelegten Razzia in vier Bundesländern wegen Scheinehen sitzen nun 16 Beschuldigte in Untersuchungshaft. Der Hauptbeschuldigte soll Ausländer gewerbsmäßig nach Deutschland eingeschleust haben.

Die Bundespolizei war am Mittwoch in einer Razzia in vier Bundesländern gegen Scheinehen vorgegangen. Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat nun mitgeteilt, dass gegen 17 Beschuldigte im Alter zwischen 22 und 52 Jahren Haftbefehle erwirkt wurden. 16 Haftbefehle seien vollzogen worden, einer wurde gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Die Beschuldigten stammen aus Indien, Pakistan und Nepal.

Hauptbeschuldigter soll ein 52 Jahre alter Pakistaner sein, gegen den Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern erlassen worden sei. Gegen ihn wurde auch Untersuchungshaft angeordnet, hieß es.

Umfangreiches Beweismaterial sichergestellt

In zwölf Fällen sei wegen des dringenden Tatverdachts des Verstoßes gegen das Freizügigkeitsgesetz durch Erschleichen einer EU-Aufenthaltserlaubnis ein Haftbefehl ausgestellt worden. Weitere Haftbefehle beträfen die unerlaubte Einreise mit gefälschten Dokumenten oder den unerlaubten Aufenthalt in Deutschland. Bei den Durchsuchungen sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden, das weiter ausgeweitet werde.

Die mutmaßliche Bande soll pro Schleusung zwischen 15.000 und 22.000 Euro verlangt haben. Die Beschuldigten sollen vor allem nach Zypern eingereist und dort mit Frauen aus osteuropäischen EU-Ländern zum Schein verheiratet worden sein. Anschließend reisten die Paare nach Deutschland ein, um hier eine Aufenthaltsgenehmigung zu erlangen. Dafür seien zum Teil auch fingierte Arbeitsverträge oder Mietverträge vorgelegt worden. Nach der Einreise wurden die Personen auch bei Behördengängen begleitet.

Großrazzia mit Schwerpunkt Leipzig

Die Bundespolizei war am Mittwoch bei ihrem Großeinsatz vor allem in Leipzig und Umgebung gegen die mutmaßliche Bande vorgegangen. 29 Personen wurden vorläufig festgenommen. Davon wurden zehn wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Die Mitglieder der mutmaßlichen Bande sollen mithilfe von Scheinehen zahlreiche Menschen nach Deutschland geschleust haben.

Die Polizisten durchsuchten 39 Objekte in Sachsen, Thüringen, Bayern und Rheinland-Pfalz. Rund 550 Beamte waren bei der Razzia im Einsatz. Insgesamt richteten sich die seit 2017 von der Staatsanwaltschaft Leipzig geführten Ermittlungen gegen mehr als 60 Beschuldigte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Juli 2019 um 10:00 Uhr.

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