Eine Krankenschwester zieht eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer auf. | AP

Corona-Pandemie Schäuble will Impfreihenfolge anpassen

Stand: 13.12.2020 08:34 Uhr

Wer wird zuerst geimpft? Die Ständige Impfkommission hat dazu Vorschläge vorgelegt. Bundestagspräsident Schäuble rechnet mit Anpassungen. Er würde medizinisches Personal früher als bisher vorgesehen impfen lassen.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble rechnet mit Änderungen der Impfreihenfolge. Die Empfehlung der Experten der STIKO werde "sicher noch verfeinert", sagte Schäuble der "Welt am Sonntag". Die politische Debatte darüber beginne gerade erst. 

Er persönlich würde Menschen, die mit Infizierten arbeiten müssen oder mit Alten und Kranken zu tun haben, an der ersten Stelle priorisieren, sagte Schäuble. "Sie haben ein extrem hohes Risiko, sich mit Corona zu infizieren. Und wenn zu viele Ärzte und Pflegekräfte ausfallen, stehen wir vor einem riesigen Problem", sagte Schäuble. 

Frage des Impfausweises offen

Die Frage, ob in Zukunft ein Impfausweis nicht doch vorgezeigt werden müsse, halte er noch nicht für beantwortet, sagte Schäuble weiter. Derzeit dominiere in der Politik die Meinung: Wir wollen die Gesellschaft nicht spalten, deshalb soll es keinen Ausweis geben, dass jemand geimpft wurde.  "Ich bin allerdings skeptisch, ob das so durchzuhalten ist", sagte der CDU-Politiker.

Es werde bald Staaten geben, die nur diejenigen einreisen lassen, die einen Impfausweis vorweisen könnten. "Diejenigen, die in solche Länder reisen wollen und vorher gesagt haben, sie lassen sich niemals impfen, werden dann schnell umdenken", zeigte Schäuble sich überzeugt. Doch solange nicht ein relevanter Teil der Bevölkerung geimpft sei, würde er einen Impfausweis nicht zur Voraussetzung für irgendwelche Rechte machen, sagte Schäuble.

Wendt für schnelle Impfung der Polizisten

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, forderte eine schnellere Impfung von Polizisten als bisher. "Die Empfehlung der Impfkommission, die Polizei auf den vorletzten Platz der Prioritäten-Liste für die Impfungen zu setzen, wird nicht den Realitäten des Polizeialltags gerecht", sagte Wendt der "Rhein-Neckar-Zeitung".

Polizeibeamte seien ständig einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt, sagte er - vergleichbar mit dem Pflegepersonal. "Sie können niemand auf zwei Meter Entfernung festnehmen oder durchsuchen. Das geht nicht", sagte Wendt. Die Polizei müsse daher in der Priorität "deutlich nach oben gerückt werden". Auch die Innenminister der Länder fordern eine schnellere Impfung von Polizisten. Einen entsprechenden Beschlussvorschlag meldeten Niedersachsen und Hamburg am Donnerstag bei der Innenminister-Konferenz in Berlin an.

Laut einem Entwurf der Ständigen Impfkommission sollen nach der ersten Gruppe mit "sehr hoher" Priorität - etwa Bewohner von Senioren- und Altenpflegeheimen und Menschen über 80 Jahre - weitere Gruppen mit besonderen Risiken vorrangig geimpft werden. Die Kommission definiert dazu erst Gruppen mit "hoher" und "erhöhter" Priorität. Erst dann folgt die Gruppe mit gering erhöhter Priorität, zu der auch Polizisten zählen. "Niedrige" Impfpriorität haben demnach alle übrigen Menschen unter 65 Jahre, was etwa 45 Millionen entspricht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Dezember 2020 um 08:00 Uhr.