Abgeschobener Asylbewerber am Flughafen Kabul | Bildquelle: dpa

Vierte Sammelabschiebung Erneut Afghanen abgeschoben

Stand: 28.03.2017 10:36 Uhr

Erneut sind abgelehnte Asylbewerber von Deutschland nach Afghanistan abgeschoben worden - am frühen Morgen erreichte das Flugzeug mit 15 Männern an Bord Kabul. Nach wie vor sind die Abschiebungen in das krisenzerrüttete Land umstritten.

Zum vierten Mal sind abgelehnte Asylbewerber von Deutschland aus nach Afghanistan abgeschoben worden. Das Flugzeug mit 15 Männern an Bord war am Abend am Münchner Flughafen gestartet und erreichte Kabul am frühen Morgen. Seit Dezember sind nun insgesamt 92 Männer nach Afghanistan zurückgeflogen worden.

Es handele sich "ausnahmslos um alleinstehende Männer", einige von ihnen seien in Deutschland straffällig geworden, teilte das bayerische Innenministerium mit. Der Sprecher des Flughafens in Kabul, Mohammed Adschmal Faisi, sagte, die Ankunft sei ruhig verlaufen. Die meisten Ankömmlinge wollten nicht mit Medien sprechen. Viele wirkten müde oder wütend.

Umstrittene Abschiebungen

Außer Bayern hatten sich an der Rückführungsaktion auch Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz beteiligt. Mehrere andere Bundesländer lehnen die Aktionen ab. Schleswig-Holstein verfügte einen Abschiebestopp.

Die Aktionen sind wegen der Sicherheitslage in Afghanistan umstritten. Kritiker halten das Land aufgrund von Kämpfen und Anschlägen nicht für sicher genug. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sagte dagegen, "die Bewertung der aktuellen Sicherheitslage" durch Bundesinnenministerium und Auswärtiges Amt sei unverändert. Sie lasse Rückführungen in gesicherte afghanische Provinzen zu.

Von Seiten der Vereinten Nationen gibt es keine abschließende Bewertung, welche afghanischen Provinzen sicher oder unsicher sind. Die meisten Passagiere des vierten Fluges stammten zumindest nicht aus schwer umkämpften Provinzen, sagte ein Mitarbeiter des Kabuler Flüchtlingsministeriums, der ungenannt bleiben wollte. "Viele sind aus Kabul, andere aus Pandschir oder Parwan." Einige kämen allerdings aus unsicheren Provinzen wie Wardak oder Nangarhar.

25.000 Abschiebungen im vergangenen Jahr

Nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière wurden im vergangenen Jahr rund 25.000 abgelehnte Asylbewerber aus Deutschland in ihre Heimatländer abgeschoben. Hinzu kamen 55.000 freiwillige Ausreisen. Dies sei ein Zuwachs von 40 Prozent. Es sollten aber noch mehr werden. De Maizière will dazu mit einem Gesetzespaket für schärfere Abschieberegeln beitragen, über das der Bundestag vergangene Woche debattierte. Ende Januar 2017 lebten rund 213.000 ausreisepflichtige Ausländer in der Bundesrepublik.

Über dieses Thema berichteten Bayern 1 am 27. März 2017 um 05:05 Uhr und Deutschlandfunk am 28. März 2017 um 04:00 Uhr

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