Laborproben mit PCR-Tests | dpa

RKI-Wochenbericht Omikron in allen Bundesländern nachgewiesen

Stand: 24.12.2021 02:16 Uhr

Omikron breitet sich auch in Deutschland langsam aus. Noch hat die Variante nicht die Oberhand gewonnen, doch das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Virologe Drosten bringt 1G-Beschränkungen ins Spiel.

Die Omikron-Variante ist mittlerweile in allen Bundesländern angekommen. Auch wenn der überwiegende Anteil der Infektionen nach wie vor von der Delta-Variante des Coronavirus verursacht wird, ist die Zahl der nachgewiesenen Omikron-Fälle in den letzten Wochen deutlich angestiegen, schreibt das Robert Koch-Institut in seinem Wochenbericht.

Auf einer neuen Übersichtsseite gab das RKI am Donnerstag die Zahl der sicher nachgewiesenen und wahrscheinlichen Omikron-Fälle in Deutschland mit 3198 an (Datenstand 22. Dezember). Im Vergleich zum Vortag seien 810 Nachweise hinzugekommen - sie beziehen sich auf Fälle seit Ende November. Die meisten Nachweise stammen demnach aus dieser und der vergangenen Woche.

In Deutschland wird jedoch nur ein kleiner Teil der positiven Proben auf Omikron hin getestet.

Meist leichtere Krankheitsverläufe

"Bisherige Meldedaten zu Symptomen deuten auf eher milde Verläufe bei Infizierten mit vollständiger Impfung beziehungsweise Auffrischimpfung", schreibt das RKI. Für insgesamt mehr als 1200 Fälle wurden dem RKI zufolge Angaben zu den Symptomen übermittelt. Überwiegend seien demnach keine oder milde Symptome genannt worden, am häufigsten Schnupfen, Husten und Halsschmerzen.

Bisher kamen dem RKI-Wochenbericht zufolge 28 Covid-Erkrankte, bei denen Omikron nachgewiesen wurde, ins Krankenhaus, eine Person ist nachweislich verstorben.

Überlastung des Gesundheitssystems droht weiterhin

Experten haben allerdings stets betont, dass bei der erwarteten hohen Zahl an Infizierten im Zuge der raschen Ausbreitung der Omikron-Variante dennoch eine große Zahl von Menschen gleichzeitig schwerer erkranken werde und im Krankenhaus behandelt werden müsse.

So warnte RKI-Chef Lothar Wieler am Mittwoch vor einer Überlastung des Gesundheitssystems und einer Beeinträchtigung kritischer Versorgungsstrukturen, sollte die Omikron-Welle nicht mit strikten Maßnahmen gebremst werden können. "Der Trend ist glasklar: Bei einer Verdopplungszeit von etwa drei Tagen könnte die neue Variante in den nächsten ein, zwei, spätestens drei Wochen bereits die Mehrzahl aller Infektionsfälle in unserem Land ausmachen."

Entwarnung für kritische Infrastruktur

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn rechnet angesichts der erwarteten Omikron-Infektionswelle allerdings nicht mit einer Gefährdung kritischer Infrastrukturen wie Strom-, Wasser oder Lebensmittelversorgung. "Wir haben vier Wellen, die schon wuchtig waren, ohne Einschränkungen gemeistert - mit Ausnahme der Intensivstationen", sagte ein Sprecher den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. 

Das liege daran, "dass die Verantwortlichen auf so etwas vorbereitet sind, weil entsprechende Pläne existieren". Die Unternehmen waren demnach vorbereitet. Der BBK-Sprecher fügte hinzu: "Eine fünfte Welle könnte zwar zu Einschränkungen führen, aber nicht zu einem Zusammenbruch." Es gebe "keinen Grund, das anzunehmen". Es gebe Reserven. "Wir sind mit unserem Latein nicht am Ende." Ohnehin werde es wohl noch bis Jahresbeginn dauern, bis sich die Omikron-Variante in Deutschland voll auswirke, betonte der Sprecher.

Kommt bald 1G?

In einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" sagte der Virologe Christian Drosten auf die Frage, ob es in Deutschland einen Lockdown brauche, es gelte abzuwarten, "ob und wie die jetzt geltenden und noch einmal nachgezogenen Maßnahmen wirken". Greifen die Kontaktbeschränkungen nicht so wie erhofft, könnte man nach Drostens Ansicht Beschränkungen in Betracht ziehen, bei denen nur bereits geboosterte Menschen Zugang haben - was er als 1G bezeichnete.

Zweifach Geimpfte seien zwar auch bei Omikron vor schweren Verläufen geschützt, "aber praktisch nicht gegen eine Infektion", sagte der Virologe der Berliner Charité. Auch die Virus-Weitergabe im Fall einer Ansteckung sei kaum reduziert. "Wer aber kürzlich geboostert ist, trägt wahrscheinlich weniger zur Weiterverbreitung bei und ist merklich gegen die Erkrankung geschützt. Bei Delta mögen 2G und 3G reichen, aber jetzt schreibt Omikron die Regeln."

Über dieses Thema berichtete am 24. Dezember 2021 die tagesschau um 04:49 Uhr und Inforadio um 08:43 Uhr.