Bundesfinanzminister Christian Lindner im Bundestag | dpa

FDP-Chef zu Genesenenstatus Auch Lindner kritisiert Wielers Vorgehen

Stand: 08.02.2022 07:06 Uhr

Für die Verkürzung des Genesenenstatus von sechs auf drei Monate Mitte Januar steht RKI-Präsident Wieler weiter in der Kritik. FDP-Chef Lindner äußerte nun "große Zweifel" an der Entscheidung.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat Kritik aus seiner Partei am Beschluss des Robert Koch-Instituts zur Verkürzung des Genesenenstatus bekräftigt und den Druck auf RKI-Chef Lothar Wieler erhöht. Er habe "große Zweifel" an dieser - ebenso unangekündigten wie überraschenden - Entscheidung, sagte Lindner dem Sender RTL. "Die fachliche und die Kommunikations-Entscheidung lag in den Händen von Herrn Wieler und ich glaube, man darf sagen, dass das außerordentlich unglücklich war."

Es sei aber Sache von Gesundheitsminister Karl Lauterbach, ihm das Vertrauen auszusprechen, betonte Lindner. Er bezog sich darauf, dass das RKI den Genesenenstatus mit Wirkung vom 15. Januar unerwartet von sechs auf drei Monate verkürzt hatte. Viele Bürger verloren damit quasi über Nacht ihr Recht, in Restaurants, Bars oder in Fitnessstudios zu gehen. Dass das RKI die Frist festlegt, sieht eine neue Verordnung zwar so vor - der Zeitpunkt kam aber überraschend.

"Volles Vertrauen" für Wieler

Vor Lindner hatte der designierte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai im "Spiegel" das Agieren des RKI und dessen Chef persönlich kritisiert. "Ich habe großen Respekt vor den Leistungen des RKI-Chefs Lothar Wieler in den vergangenen zwei Jahren während der Pandemie", sagte er zwar. Mit Blick auf die Verkürzung des Genesenenstatus fügte er jedoch hinzu: "Des Vertrauens der FDP kann sich Herr Wieler aber aufgrund dieser neuerlichen Verfehlung, die ja leider keinen Einzelfall darstellt, nicht mehr sicher sein."

Auch Lauterbach hatte Wieler für dessen mangelhafte Kommunikation der Verkürzung des Corona-Genesenenstatus kritisiert: "Das hier war nicht in Ordnung", sagte er der "Bild". Es gehe nicht an, dass er als Minister gleichzeitig mit den Bürgern erfahre, dass es einen neuen Status gebe. "Das ist ja klar, und darüber ist offen gesprochen worden." Das dürfe sich "nicht wiederholen".

Gleichzeitig sah der Minister keinen Grund für personelle Konsequenzen: Wieler habe "zwei Jahre lang eine sehr wichtige und gute Arbeit gemacht und genießt weiter mein Vertrauen. So einfach ist das." Auch Vize-Regierungssprecherin Christiane Hoffmann erklärte, Wieler habe "nach wie vor das volle Vertrauen der Bundesregierung".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Januar 2022 um 06:05 Uhr.