Ein Corona-Patient auf einer Intensivstation in Braunschweig. | dpa

Corona-Pandemie Ärzte und Kliniken warnen vor Engpässen

Stand: 21.04.2021 07:04 Uhr

Krankenhausgesellschaft und Intensivmediziner befürchten, dass planbare Operationen teils um Monate verschoben werden müssen, wenn die dritte Pandemiewelle noch länger dauert. Das RKI meldete heute 24.884 Neuinfektionen und 331 weitere Todesfälle.

Angesichts der hohen Zahl von Covid-19-Fällen auf den Intensivstationen warnen Ärzte und Kliniken vor Versorgungsengpässen bei den regulären Patienten. "Wenn sich die Infektionslage in den nächsten Wochen nicht entspannt, werden viele Kliniken an den Punkt kommen, dass sie Operationen nicht nur um ein paar Wochen, sondern um Monate verschieben müssen", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gernot Gaß, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

90 Prozent der Kliniken stellten aktuell mehr als 10 Prozent der Eingriffe zurück, 50 Prozent sogar mehr als 20 Prozent, erklärte der DKG-Chef. Bei einzelnen Eingriffen, zum Beispiel beim Hüftgelenksersatz, würden im Schnitt schon 40 Prozent abgesagt. "Je länger die dritte Pandemiewelle dauert, desto massiver werden die Engpässe bei planbaren Eingriffen."

"Viele Kliniken müssen jetzt priorisieren"

Ähnlich äußerte sich die Deutsche Krebsgesellschaft. "Wenn sich die Infektionslage weiter verschärft, werden die Wartezeiten auf planbare Operationen in den kommenden Wochen noch deutlich zunehmen", sagte Präsident Thomas Seufferlein. "Ich möchte nicht von Triage sprechen, aber viele Kliniken müssen jetzt priorisieren." Krebspatienten, deren Zustand medizinisch stabil sei, müssten bereits jetzt häufig zwei oder drei Wochen länger auf ihren Eingriff warten. Bei einigen Tumorerkrankungen könne das zu Verschlechterungen führen, warnte Seufferlein.

Auch führende Intensivmediziner sind besorgt. Bereits jetzt seien in vielen Kliniken nur noch zehn Prozent der Intensivbetten frei, oft also nur ein einziges Bett. "Wenn wir deutlich über 6000 Covid-Intensivpatienten kommen, ist im gesamten Krankenhaus nur noch Krisenmedizin möglich", sagte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi).

Unverhältnismäßiger Alarmismus?

Andere Mediziner warnten allerdings vor Alarmismus. "Wir sind und waren zu keiner Zeit am Rande unserer Kapazitäten", sagte Thomas Hermann Voshaar, Chefarzt der Lungenklinik Bethanien in Moers, der "Bild"-Zeitung. Die Aussagen der Intensivmediziner der Divi seien unverantwortlich und unverhältnismäßig. Diese seien durch die tatsächlichen Zahlen nicht gestützt. "Nicht mal ein Viertel der 22.000 Intensivbetten in Deutschland sind mit Covid-19-Patienten belegt."

Sieben-Tage-Inzidenz leicht gesunken

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete heute 24.884 Neuinfektionen. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 331 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus verzeichnet. Gestern waren es 21.693 Corona-Neuinfektionen und 342 Tote gewesen. In der aktuellen Zahl der Neuinfektionen könnten Nachmeldungen aus Nordrhein-Westfalen vom Vortag enthalten sein. Daten der NRW-Gesundheitsämter waren zuvor aufgrund technischer Schwierigkeiten am Montagabend und Dienstag nicht vollständig übermittelt worden.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut RKI am Morgen bundesweit bei 160,1. Damit ist der Wert leicht gesunken, gestern hatte er laut RKI noch bei 162,4 gelegen. Seit Mitte Februar ist die Sieben-Tage-Inzidenz allerdings von damals knapp über 50 kontinuierlich angestiegen. Ob sich dieser Trend fortsetzt, ist anhand der Zahlen der vergangenen Tage noch nicht abschätzbar.

Über dieses Thema berichteten am 21. April 2021 Deutschlandfunk um 02:00 Uhr in den Nachrichten und Inforadio um 08:31 Uhr.