Schüler betreten eine Schule mit Hinweisschild auf die Corona-Regeln an der Tür. | dpa

Gesundheitsministerkonferenz Einheitliche Regeln für Schüler gefordert

Stand: 06.09.2021 06:46 Uhr

In den meisten Bundesländern läuft die Schule wieder. Doch die Quarantäneregeln sind nach wie vor sehr unterschiedlich. Das wollen die Gesundheitsminister nun ändern. Die Inzidenz stieg derweil auf 84,3.

Die Gesundheitsminister der Länder wollen über Quarantäne-Maßnahmen im Fall von Corona-Infektionen an Schulen sprechen. Dabei solle es um "möglichst einheitliche Regeln" gehen, sagte der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Klaus Holetschek aus Bayern. Bislang gibt es in den Ländern höchst unterschiedliche Vorgaben für die Quarantäne, sollte sich in einer Klasse ein infizierter Schüler finden. Teilweise werden bereits jetzt nur die Sitznachbarn in Quarantäne geschickt.

Viele Schülerinnen und Schüler sind noch nicht geimpft, weil es derzeit keine Impfstoffe gibt, die für Kinder unter zwölf Jahren offiziell zugelassen sind. Zuletzt waren die Infektionszahlen besonders in jüngeren Altersgruppen stark gestiegen. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hatte die Länder aufgerufen, sich auf eine klare Linie zu verständigen. Sie würde sich freuen, wenn die Quarantäne von 14 Tagen mit einer klugen Teststrategie verkürzt werden könnte, sagte sie dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (RND). Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte vor kurzem einheitliche Vorgaben gefordert.

Lehrerverband warnt vor Aufhebung der Kontaktverfolgung

"Wenn eine gute Lüftung im Klassenzimmer gewährleistet ist, wenn vielleicht sogar eine Raumluftfilteranlage drin ist, dann muss man nicht die Kinder einer ganzen Klasse in Quarantäne schicken", sagte Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, im RND-Podcast "Die Schulstunde". "Dann kann man sich auch auf die unmittelbaren Banknachbarn konzentrieren." Eine Rolle spiele auch, ob es eine Maskenpflicht gebe. Geimpfte Kinder müsse man nicht in Quarantäne schicken.

Meidinger betonte, unterm Strich gehe es darum, wie genau die Situation vor Ort aussehe. Er verstehe, dass Quarantäne-Anordnungen Eltern vor enorme Probleme stellten, teils seien sie aber schlicht notwendig. Ausschließlich infizierte Schüler in Quarantäne zu schicken und dabei auf Kontaktverfolgung komplett zu verzichten, wäre "ein Signal für die schnelle Durchseuchung der Schulen", sagte er.

Der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin am Uniklinikum Jena, Mathias Pletz, hatte davor gewarnt, Corona-Maßnahmen an Schulen vorschnell aufzuheben. "Nach allem, was wir über Delta wissen, kann man es nicht einfach laufen lassen."

Amtsärzte für einheitliche Quarantäneregeln

Auch die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, forderte einheitliche Regeln. "Die Verunsicherung bei Eltern, Lehrerinnen und Lehrern durch die vielen unterschiedlichen Quarantäneregeln ist groß", sagte sie den Zeitungen der "Funke Mediengruppe". Zum Teil unterschieden sich die Verfahren nicht nur von Land zu Land, sondern auch zwischen einzelnen Gesundheitsämtern. "Die Länder müssen sich jetzt dringend auf bundeseinheitliche Quarantäneregeln für Schulen einigen", forderte Teichert. "Das schafft Sicherheit und erleichtert die Akzeptanz der Maßnahmen."

Teichert sprach sich dafür aus, auch Schutzkonzepte ohne Quarantänepflicht zu erwägen. Es sei sinnvoll, die aktuell laufenden Pilotprojekte zu beobachten, bei denen Alternativen zur Quarantäne geprüft würden. "Sollte sich herausstellen, dass es effektiver ist, die schulischen Kontaktpersonen eines infizierten Schülers täglich zu testen, statt sie in Quarantäne zu schicken, sollte ein solches Vorgehen zum bundesweiten Standard werden", sagte Teichert.

4749 Neuinfektionen - Inzidenz steigt auf 84,3

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) stieg die Inzidenz auf 84,3 - am Vortag hatte der Wert bei 83,1 gelegen, vor einer Woche bei 75,8. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 4749 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte der Wert bei 4559 Ansteckungen gelegen. Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 8 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 10 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 4.010.390 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 92.354.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. September 2021 um 09:00 Uhr.

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