Passanten gehen zum Eingang eines Impfzentrums. | dpa

Debatte über Impfkampagne Von Gutscheinen und Nachteilen für Ungeimpfte

Stand: 06.08.2021 11:28 Uhr

Um die Impfkampagne wieder ins Rollen zu bringen, wird in der Politik über mögliche Ansätze diskutiert. Bremens Bürgermeister ist gegen Nachteile für Ungeimpfte, Linksfraktionschef Bartsch plädiert für Gutscheine.

Angesichts der stockenden Corona-Impfkampagne in Deutschland wird in der Politik weiter über mögliche Impfanreize diskutiert. Der Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte sprach sich dagegen aus, Ungeimpfte von weiten Teilen des öffentlichen Lebens auszuschließen. Dabei stellten sich schwierige Abgrenzungsfragen, die von dem eigentlichen Ziel ablenkten, möglichst viele Menschen mit "der Kraft des Arguments" von einer Impfung zu überzeugen, sagte Bovenschulte ARD-Morgenmagazin.

Mit Blick auf die Bund-Länder-Beratungen kommende Woche wies Bovenschulte darauf hin, dass bereits ein erheblicher Druck auf Ungeimpfte bestehe. Diese müssten sich anders als Geimpfte mehr testen lassen und sie hätten eine Quarantänepflicht nach der Rückkehr aus Hochinzidenzgebieten.

Bei weitergehenden Einschränkungen für nicht geimpfte Menschen stelle sich die Frage, welche Bereiche der Grundversorgung einen Ausschluss nicht zulassen. Bovenschulte nannte als Beispiele den Besuch von Gottesdiensten, von Volkshochschulkursen und von Fitnessstudios. "Das sind ja alles völlig unbeantwortete und schwierige Abgrenzungsfragen", sagte der SPD-Politiker.

Eine Diskussion darüber könne in eine Verzettelung führen und von dem Ziel ablenken, die Menschen von einer Impfung zu überzeugen.

Gutscheine für Gastronomie oder Einzelhandel

Linksfraktionschef Dietmar Bartsch plädierte für eine Prämie, um mehr Menschen von einer Impfung zu überzeugen. "Alle Bürgerinnen und Bürger, die geimpft sind, könnten einen Innenstadtgutschein über 50 Euro für Gastronomie oder Einzelhandel erhalten", sagte er den Zeitungen der "Funke-Mediengruppe".

"Das wäre ein Konjunkturpaket über drei bis vier Milliarden Euro für die Innenstädte, die stark unter Corona gelitten haben", so Bartsch. "Die Gutscheine dürften ausdrücklich nicht über den Online-Handel eingelöst werden."

In Sachsen erhalten Geimpfte bereits spezielle Gutscheine und Rabatte, wenn sie sich auf einem Webportal registrieren lassen, wie der DRK-Landesverband mitgeteilt hatte.

Dobrindt fordert Impfstationen für Reiserückkehrer

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt forderte Impfstationen an Bahnhöfen und Flughäfen für Reiserückkehrer. "Ich schlage vor, nicht nur Teststationen, sondern auch Impfstationen für Einreisende bereit zu halten", sagte Dobrindt den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dort sollten nicht-geimpfte Reiserückkehrer "schnell und unkompliziert ein Impfangebot bekommen". 

Die Zahl der niedrigschwelligen Angebote müsse steigen. Mobile Impfteams seien im Alltagsleben nötig. "Ich kann mir Impfungen in Einkaufszentren, in Diskotheken, aber auch zum Beispiel vor Moscheen vorstellen", sagte Dobrindt. 

Im Fall höherer Infektionszahlen sei er für strengere Corona-Regeln für Ungeimpfte. "Die Normalität, die für Geimpfte herrschen muss, kann bei einer angespannten Infektionslage für Nicht-Geimpfte möglicherweise nicht gleichermaßen gelten", sagte Dobrindt. Vorstellbar sei, "dass Hotels, Restaurants oder Kulturveranstalter ihr Angebot auf Geimpfte beschränken".

Handelsverband startet Impf-Initiative

Große Handelsketten wie Lidl, EDEKA, REWE und Thalia wollen der ins Stocken geratenen Impfkampagne neuen Schwung verleihen. Unter dem Motto "Leben statt Lockdown. Lass dich impfen." sind Plakataktionen in Schaufenstern und Kassenbereichen, mehrsprachige Informationsbroschüren, die Nutzung der Social-Media-Kanäle der Unternehmen sowie "niederschwellige Impfangebote an ausgewählten Standorten" geplant, wie der Handelsverband Deutschland (HDE) mitteilte.

Die Impfaktionen sollen in Abstimmung mit den Gesundheitsämtern erfolgen. Zusätzlich sollen bekannte Persönlichkeiten wie Fußball-Nationalspieler Emre Can die Aktion unterstützen. "Die an der Kampagne beteiligten Handelsunternehmen verzeichnen täglich mehr als 40 Millionen Kundenkontakte und sind mit Zehntausenden Standorten in ganz Deutschland vertreten", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

"Die Aktion nutzt diese enorme Reichweite und flächendeckende Präsenz, um zur Steigerung der Impfbereitschaft in Deutschland beizutragen", so Genth. Hinter der Initiative stehen unter anderem die Unternehmen Breuninger, Deichmann, Ernsting’s Family, Galeria Karstadt Kaufhof, Intersport und KiK. Auch der HDE und der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) machen mit.

Derzeit sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 62,1 Prozent der deutschen Bevölkerung mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft worden. 53,6 Prozent haben den vollständigen Schutz, für den bei den meisten Vakzinen eine zweite Impfung notwendig ist. Die sogenannte Herdenimmunität ist nach Schätzung des RKI bei einer Impfquote von mehr als 80 Prozent erreicht.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin im Ersten am 06. August 2021 um 07:44 Uhr.