Polizisten nehmen während einer Durchsuchung eine Person in Gewahrsam. Die Durchsuchung fand im Rahmen einer bundesweiten Razzia statt. | Bildquelle: dpa

Bundesweite Großrazzia Eingeschleust und in Bordellen ausgebeutet

Stand: 18.04.2018 13:55 Uhr

1500 Polizisten, 100 Festnahmen, 62 durchsuchte Objekte: Mit dem größten Einsatz in der Geschichte der Bundespolizei sind Ermittler gegen Menschenschmuggel und Zwangsprostitution vorgegangen.

Von Fritz Sprengart, WDR

Mit blauer Wollmütze auf dem Kopf und einem rosa Schal bis über die Nase gezogen wird die Hauptverdächtige um kurz nach sieben Uhr aus dem Bordell in Siegen geführt. Sie wirkt unsicher als die beiden Polizisten sie zum Einsatzwagen bringen. Doch der Schein könnte trügen: Die Frau soll der Kopf eines bundesweit tätigen Prostitutionsnetzwerks sein.

Bundesweite Großrazzia im Rotlichtmilieu
tagesschau 20:00 Uhr, 18.04.2018, Jan-Peter Bartels, HR

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Hunderte Frauen eingeschleust?

Konkret wird ihr vorgeworfen, Hunderte thailändische Frauen und Transsexuelle mit erschlichenen Schengen-Visa ins Bundesgebiet eingeschleust zu haben. In Deutschland angekommen sollen sie als Prostituierte in Bordellen gearbeitet haben. Über ein Rotationsprinzip seien sie im gesamten Bundesgebiet eingesetzt worden.

Ihren Arbeitslohn hätten sie nahezu komplett an die Schleuser abtreten müssen, um so angeblich die Kosten der Einschleusung abzuarbeiten. Diese sollen regelmäßig zwischen 16.000 und 36.000 Euro betragen haben. Ein Geschäft, das sich für die Schleuserbande offenbar gelohnt hat. Ihr Ertrag soll im siebenstelligen Bereich liegen.

Seit Februar 2017 läuft gegen die Gruppe ein Ermittlungsverfahren. "Es geht um Einschleusung von Ausländern, sexuelle Ausbeutung und Zwangsprostitution", sagt Jens Flören, Einsatzleiter der Bundespolizei. 

Gefährliches Milieu - GSG 9 im Einsatz 

Wie ernst die Bundespolizei die Bedrohung durch die Schleusergruppe nimmt, wird bereits um sechs Uhr in Siegen deutlich. Die GSG 9 betritt in olivgrüner Kampfmontur und mit Sturmgewehren als erste das Gebäude. Erst dann folgen die Beamten der Bundespolizei. "Wir bewegen uns hier im Rotlichtmilieu", erklärt Flören. "Da muss man davon ausgehen, dass Schusswaffen vorhanden sind und auch eingesetzt werden könnten." Es bleibt zum Glück friedlich, die Verdächtigen leisten keine Gegenwehr. 

Polizisten überprüfen Personalien | Bildquelle: dpa
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Hunderte Frauen und Transsexuelle sollen die Verdächtigen nach Deutschland eingeschleust und in Bordellen ausgebeutet haben.

Seehofer wertet Einsatz als Erfolg

"Der Bundespolizei ist ein harter und in seinem Ausmaß beispielloser Schlag gegen ein bundesweit verzweigtes Netzwerk der Organisierten Kriminalität gelungen“, freut sich Bundesinnenminister Horst Seehofer über den Einsatz. Mehr als hundert Menschen werden festgenommen, auch alle sieben Hauptverdächtigen können verhaftet werden. Umfangreiches Beweismaterial wird sichergestellt.

"Viele Hundert Frauen und Männer waren der menschenverachtenden grenzenlosen Profitgier von Schleusern über Jahre hinweg ausgeliefert. Diesem skrupellosen Vorgehen und der sexuellen Ausbeutung in einem abscheulichen Ausmaß konnte heute ein Ende gesetzt werden", so Seehofer.

Um kurz nach halb elf, als der Einsatz fast schon vorbei ist, werden die Frauen aus dem Bordell geführt. Einige halten sich ihre Jacken vor das Gesicht. Sie wollen nicht erkannt werden. Acht Prostituierte sind es alleine in Siegen. Die Bundespolizei will zunächst ihre Identität klären. Wie es dann für sie weiter geht, ist noch unklar.       

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. April 2018 um 12:00 Uhr, 14:00 Uhr und 15:00 Uhr.

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