Der Verkehr staut sich am Morgen im Stadtteil Veddel auf den Elbbrücken. | dpa

Bilanz für 2021 Zahl der Pendler um 4,5 Prozent gestiegen

Stand: 19.01.2022 11:00 Uhr

Viele fahren weite Wege, um zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen. Und ihre Zahl hat im vergangenen Jahr noch zugenommen. Die Gewerkschaft IG BAU sieht als Hauptgrund die hohen Mieten und fordert eine dauerhaft Preisbindung für Sozialwohnungen.

Bundesweit ist die Zahl der Berufspendler in Deutschland im vergangenen Jahr gestiegen. Rund 3,5 Millionen Arbeitnehmer arbeiteten 2021 nicht in dem Bundesland, in dem sie lebten - 150.000 mehr als im Jahr zuvor.

Die Zahl der Fernpendler wuchs demnach im Corona-Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 4,5 Prozent, wie die "Rheinische Post" unter Berufung auf Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) berichtet. Mehr als jeder zehnte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte verließ den Daten zu Folge sein Heimat-Bundesland, um zur Arbeit zu pendeln.

NRW hat die meisten Einpendler

Zu den Ländern, in die besonders viele Menschen von außerhalb zum Arbeiten kommen - sogenannte Einpendler - zählten Nordrhein-Westfalen (461.000), Baden-Württemberg (426.000), Bayern (425.000), Hessen (408.000) sowie die Stadtstaaten Hamburg (368.000) und Berlin (366.000). 

Einen besonders hohen Anteil an Auspendlern - Beschäftigten, die für den Job ihr Bundesland verlassen - gab es in Niedersachsen (454.000), Rheinland-Pfalz (338.000), Brandenburg (305.000), Schleswig-Holstein (244.000) und Sachsen-Anhalt (141.000).

Zu wenig bezahlbarer Wohnraum

Nach Einschätzung der IG Bauen Agrar Umwelt (IG BAU) sind teure Mieten und hohe Hauspreise wesentliche Gründe für ein weiteres Ansteigen der Pendlerzahlen in Deutschland. Millionen Beschäftigte seien zu stundenlanger Fahrerei gezwungen, erklärte Gewerkschaftschef Robert Feiger.

"Längst nicht jeder kann Homeoffice machen - viele Menschen müssen weite Pendelwege in Kauf nehmen, um zur Arbeit zu kommen", sagte Feiger. Strecken von mehr als hundert Kilometern seien etwa für Bauarbeiter "alles andere als eine Seltenheit".

Preisbindung für Sozialwohnungen gefordert

Ein entscheidender Beitrag gegen den auch umweltschädlichen Pendelverkehr sei die Schaffung bezahlbaren Wohnraums in den Orten, in denen die Menschen arbeiten und leben wollten, meinte Feiger. Er begrüßte den Plan der Bundesregierung, pro Jahr 400.000 neue Wohnungen zu errichten - darunter 100.000 geförderte Sozialwohnungen.

Für diese seien dauerhafte Preisbindungen nötig. "Es muss gelten: einmal Sozialwohnung, immer Sozialwohnung. Wir brauchen keine günstigen Mieten mit Verfallsdatum", so Feiger.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Januar 2022 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.