Claudia Roth | Bildquelle: dpa

Roth für Frauenquote "Der Bundestag ist kein Bierzelt"

Stand: 03.03.2019 12:46 Uhr

Die Hälfte der Sitze im Bundestag soll den Frauen gehören - notfalls per Gesetz. Das fordert Vizepräsidentin und Grünen-Politikerin Roth in einem Interview. Außerdem prangert sie sexistische Entgleisungen an.

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth hat ein Paritätsgesetz für den Bundestag gefordert, um die Hälfte der Mandate an Frauen zu vergeben. "Wo strukturelle Benachteiligung herrscht, reicht Freiwilligkeit in der Regel nicht aus", sagte die Grünen-Politikerin dem "Tagesspiegel". Wenn die Parteien sich nicht freiwillig wandelten, sei eine gesetzliche Regelung richtig.

Roth sprach sich für ein Modell aus, bei dem die Parteien auf ihren Wahllisten ebenso viele Männer wie Frauen aufstellen: "Am einfachsten wäre es, wenn sich die anderen Parteien zunächst am Modell der Grünen orientieren würden, der parteiinternen Quotenregelung bei Listenaufstellungen." Dieses Modell sei vielleicht nur ein erster Schritt, aber "schnell umsetzbar und verfassungskonform", betonte Roth. "Ziel muss es sein, dem eklatanten Fehlen von Frauen in vielen Debatten endlich etwas entgegenzusetzen."

Veränderung von Perspektiven

"Wenn du Frauen nicht nur zählst, sondern dafür sorgst, dass sie etwas zählen - dann bringt das eine radikale Veränderung von Perspektiven mit sich", erklärte Roth weiter. Frauen im Verteidigungsausschuss beispielsweise hätten einen ganz anderen Blick auf Konflikte und Kriege, Männer im Familienausschuss eine andere Sicht auf die Elternzeit.

Derzeit sitzen im Bundestag 219 Frauen und 490 Männer. Das entspricht einem Frauenanteil von knapp 31 Prozent. Bei keiner Partei ist das Missverhältnis der Geschlechter so ausgeprägt ist wie bei der AfD. Von den 92 Mandaten werden nur zehn durch eine Frau belegt.

Abgeordnete im Bundestag in Berlin. | Bildquelle: AP
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Die Hälfte der Sitze im Bundestag soll den Frauen gehören, fordert Claudia Roth.

"Permanente Häme gegen Frauen"

Gerade in deren Reihen gebe es besonders viele sexistische Entgleisungen, kritisiert Roth. Als Beispiele nannte sie "permanente Häme gegen Frauen, eine Reduzierung auf klischeehafte Zuschreibungen, Verächtlichmachung". Offensichtlich werde "versucht, offenen Sexismus wieder hoffähig zu machen. Manch einer findet das lustig oder nebensächlich, mit dem Hinweis, im Bierzelt ginge es nicht anders zu. Der Bundestag ist aber kein Bierzelt".

Ende Januar hatte der brandenburgische Landtag als erstes Parlament in Deutschland ein sogenanntes Paritégesetz verabschiedet. Es schreibt Parteien vor, dass sich auf ihren Kandidatenlisten Männer mit Frauen abwechseln.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. März 2019 um 12:00 Uhr.

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