Die Rückseite eines ausgefüllten Organspendeausweises.  | dpa

Einbruch von fast 30 Prozent Deutlich weniger Organspenden

Stand: 08.04.2022 13:26 Uhr

Im ersten Quartal dieses Jahres hat es in Deutschland deutlich weniger Organspenden gegeben als im Vorjahreszeitraum. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation zeigt sich "zutiefst besorgt" über die Entwicklung.

Die Zahl der Organspenden ist laut Deutscher Stiftung Organtransplantation (DSO) Anfang dieses Jahres massiv zurückgegangen. Die bundesweite Koordinierungsstelle berichtete von einem Einbruch von 29 Prozent im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum. 176 Spender gaben 562 Organe, im Vorjahreszeitraum hatten 249 Spender 778 Organe gespendet. Die Anzahl der nach dem Tod entnommenen Organe sank um 28 Prozent auf 562.

Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO, äußerte sich "zutiefst besorgt": "Wir stehen vor einer dramatischen Entwicklung für die rund 8500 Patienten auf den Wartelisten." Der Einbruch komme "völlig unerwartet". Die DSO appellierte, die Patienten auf den Wartelisten für Organe nicht aus dem Blick zu verlieren.

Personalausfall ein Grund für Rückgang

Der starke Rückgang ist nach Angaben der DSO zum Teil auf Effekte der Pandemie zurückzuführen. Die hohen Infektionszahlen hätten zu einem erhöhten Personalausfall auf den Intensivstationen geführt. Aufgrund der Arbeitsüberlastung hätten wahrscheinlich weniger Organspenden realisiert werden können. Auch hätten Ärzte in nahezu doppelt so vielen Fällen wie im Vorjahreszeitraum den Organspendeprozess abgebrochen, weil eine bei Untersuchungen vor dem Eingriff eine Infektion mit dem Coronavirus ohne Symptome festgestellt wurde.

Ein weiterer Grund für den Rückgang der realisierten Organspenden sei die Tatsache, dass in viel mehr Fällen der Kreislauf möglicher Spender vor dem Hirntod zusammengebrochen sei. Die Organe eines Spenders müssen nach dem Hirntod intensivmedizinisch funktionsfähig gehalten werden. Versagt das Herz-Kreislauf-System vorzeitig, ist keine Organspende mehr möglich.

Über dieses Thema berichtete ZDF heute am 05. Juni 2021 um 19:00 Uhr.