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Özdemir zu Nahrungsmittelknappheit "Die eine Krise nicht gegen die andere ausspielen"

Stand: 31.03.2022 00:48 Uhr

Agrarminister Özdemir sieht keine Versorgungskrise in Deutschland. Der Hunger in der Welt werde aber zunehmen, dafür sorge auch die Klimakrise. In den tagesthemen fordert Özdemir daher eine krisenbeständigere Landwirtschaft.

Mit Russland und der Ukraine drohen nun zwei der wichtigsten Weizenlieferanten auszufallen - dennoch müsse in Deutschland niemand hamstern, hat Landwirtschaftsminister Cem Özdemir bekräftigt. In den tagesthemen sagte er: "Hamsterkäufe sind unsolidarisch, sie führen dazu, dass Waren verknappt werden."

In Deutschland sei die Lebensmittelversorgung sichergestellt - anders als in anderen Teilen der Welt. Viele Länder beziehen aus der Ukraine ihr Getreide, deshalb sei die Sorge groß vor einer Verschärfung der Hungerkrise, so Özdemir.

Probleme gab es schon vor dem Angriff auf die Ukraine

Die gestiegenen Preise für Energie und Lebensmittel träfen alle, sagte der Minister. "Doch wir sollten endlich realisieren: Einen Teil der Probleme hatten wir auch schon vor dem schrecklichen Angriffskrieg von Putin in der Ukraine." Der Hunger in der Welt, Starkregen und Dürren, das habe etwas mit der Klimakrise zu tun. Einige Menschen rieten ihm jetzt, die Klimakrise und das Artensterben zu vergessen. Doch das ginge nicht. "Ich rate dringend dazu, die eine Krise nicht gegen die andere auszuspielen", sagte Özdmir.

Wie in der Energiepolitik gelte es auch in der Landwirtschaftspolitik, herunterzukommen von Abhängigkeiten wie etwa Mineraldünger und eine krisenbeständigere Landwirtschaft zu untzerstützen. Der Minister setzt in diesem Zusammenhang auf weniger Tiere und finanzielle Förderung von Landwirten, die auf mehr Tierwohl setzen. Und er hofft, dass auch der Fleischkonsum hierzulande noch weiter sinkt - denn 60 Prozent des angebauten Getreides lande in Deutschland in den Futtertrögen, so Özdemir.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass in Deutschland nach Angaben von Minister Özdemir 47 Prozent des angebauten Getreides in den Futtertrögen lande. Das ist nicht korrekt. Tatsächlich hat Herr Özdemir gesagt, in Deutschland landeten 60 Prozent in den Futtertrögen, global seien es 47 Prozent. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 30. März 2022 um 22:15 Uhr.