Traktor bringt Gülle auf einem Feld aus | Bildquelle: picture alliance / dpa

Nitrat-Bericht der Regierung Dem Grundwasser geht es dreckig

Stand: 03.01.2017 05:00 Uhr

Gülle wird in Deutschland immer noch als Dünger auf Feldern versprüht und belastet - wie auch Kunstdünger - laut dem aktuellen Nitrat-Bericht der Bundesregierung weiter das Grundwasser. Eine Gesetzesreform soll das jetzt ändern.

Von Katrin Brand, ARD-Hauptstadtstudio

Mit der Landwirtschaft ist es wie mit der Politik, kalauerte einst Renate Künast von den Grünen in ihrer Zeit als Agrarministerin: "Entscheidend ist, was hinten rauskommt, hat mal einer von der CDU gesagt. Bei den Schweinen ist das eine massive Umweltbelastung der Böden, des Wassers und im Zweifelsfalle auch des Trinkwassers."

Grundwasser in Deutschland stark mit Nitrat verschmutzt
tagesschau 20:00 Uhr, 03.01.2017, Karin Dohr, ARD Berlin

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Grundwasserqualität nur minimal besser

Diese Einschätzung ist 16 Jahre alt und aktueller denn je. Denn was bei Schweinen, Kühen, Hühnern und Puten hinten rauskommt, belastet nach wie vor das Wasser. Grundwasser, Trinkwasser und Gewässer leiden, weil vielerorts Gülle als Dünger großzügig und jederzeit auf Feldern versprüht wird. Das zeigt der aktuelle Nitrat-Bericht, den die Regierung heute veröffentlicht und der dem WDR vorab vorliegt.

Gemessen wurde gezielt dort, wo viel Landwirtschaft betrieben wird. So verlangt es die EU-Nitrat-Richtlinie. Zwischen 2008 und 2014 hat sich demnach die Qualität des Grundwassers in diesen Problemgebieten nur minimal verbessert. Für Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, eine schlechte Nachricht - denn so war das nicht geplant: "Wir haben viel zu hohe Düngereinträge aus der Landwirtschaft in die Gewässer. Während wir aus den kommunalen Gewässern oder auch aus der Industrie beispielsweise große Fortschritte erzielt haben, haben wir aus der Landwirtschaft eben immer noch diese hohen Einträge."

Massiver Einsatz von Aktivkohle

In 28 Prozent der Messstellen fand sich zu viel Nitrat im Wasser, also mehr als die erlaubten 50 Milligramm pro Liter. Überhöhte Nitratwerte finden sich vor allem in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, aber auch im Norden Sachsen-Anhalts und Sachsens und in Teilen Nordrhein-Westfalens. Besonders dort eben, wo intensiv Tiere gehalten werden, sagt Friedrich Ostendorff, Bio-Bauer und Abgeordneter der Grünen im Bundestag. Die betroffenen Kommunen müssten massiv Aktivkohle einsetzen, was die Trinkwasserproduktion der Wasserwerke verteuere: "Letztlich muss der Steuerzahler als Wasserkunde dafür zahlen, dass hier eine völlig verfehlte agrarische Entwicklung gelaufen ist", sagt Ostendorff.

Dass die Bundesregierung das Nitrat-Problem nicht in den Griff bekommt, ist auch in Brüssel bekannt. Vorigen April hat die EU-Kommission Deutschland deshalb verklagt. Teure Strafzahlungen drohen, wenn die Regierung nicht bald handelt. Staatssekretär Flasbarth glaubt, dass sich das abwenden lässt. Schließlich ist ein neues, schärferes Düngegesetz fast fertig: "Beispielsweise darf zu bestimmten Zeiten, etwa wenn Eis ist oder auch wenn der Boden mit Wasser gesättigt ist, kein Dünger aufgebracht werden. Die Sperrzeiten werden so erheblich erhöht. Gleichzeitig müssen die Landwirte sicherstellen, dass sie erhöhte Kapazitäten für das Vorhalten von Düngemitteln bereitstellen, sodass nicht aus der Not heraus Gülle beispielsweise auf den Acker gebracht wird."

Änderung des Düngegesetzes

Das geht in die richtige Richtung, findet auch der Grüne Ostendorff. Seiner Erfahrung nach sind schärfere Regeln zum Umgang mit Gülle bisher aber noch immer am einflussreichen Deutschen Bauernverband gescheitert, der wiederum gute Drähte ins CSU-geführte Landwirtschaftsministerium hat: "Ich bin gespannt, wie sich das durchsetzt. Bisher war das Umweltministerium nicht in der Lage, dem Paroli zu bieten, wenn es aus dem Hause des Bauernverbandes massivsten Widerstand gab."

Doch noch steht der Plan: Am 16. Januar ist zunächst eine Anhörung des Agrarausschusses angesetzt. Am 19. Januar soll dann der Bundestag über die Änderung des Düngegesetzes beschließen.

Dem Wasser geht es dreckig - Nitrat-Bericht der Bundesregierung
K. Brand, ARD Berlin
02.01.2017 21:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Januar 2017 um 07:08 Uhr

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