Bundeskanzlerin Angela Merkel | REUTERS

Merkels Neujahrsansprache "Pandemie ist eine Jahrhundertaufgabe"

Stand: 31.12.2020 00:20 Uhr

Das Jahr 2020 sei geprägt gewesen von der Corona-Pandemie und habe "allen viel und manchen zu viel auferlegt", so Kanzlerin Merkel in ihrer Neujahrsansprache. Dennoch blickt sie angesichts der angelaufenen Impfungen hoffnungsvoll ins neue Jahr.

"Was für ein Jahr liegt hinter uns!", begann Kanzlerin Angela Merkel ihre vorab aufgezeichnete Neujahrsansprache. Das Jahr sei bestimmt gewesen von der Corona-Pandemie: "2020 ist etwas über uns gekommen, womit die Welt nicht gerechnet hatte." Das Virus habe die Menschen dort getroffen, "wo wir am allermenschlichsten sind: im engen Kontakt, in der Umarmung, im Gespräch, beim Feiern".

Zugleich stimmte Merkel auf weitere Belastungen in der Corona-Krise ein. "Diese Tage und Wochen, da gibt es nichts zu beschönigen, sind schwere Zeiten für unser Land. Und so wird es auch noch eine ganze Weile bleiben", sagte die Kanzlerin. "Die Coronavirus-Pandemie war und ist eine politische, soziale, ökonomische Jahrhundertaufgabe. Sie ist eine historische Krise, die allen viel und manchen zu viel auferlegt hat."

Hoffnung für 2021

Mit Blick auf die angelaufene Impfkampagne sagte Merkel, seit wenigen Tagen habe die Hoffnung ein Gesicht: "Es sind die Gesichter der ersten Geimpften, der ganz Alten und ihrer Pfleger und Pflegerinnen, des medizinischen Personals auf den Intensivstationen - nicht nur bei uns, sondern in allen europäischen und vielen anderen Ländern."

Täglich würden es mehr, schrittweise kämen andere Alters- und Berufsgruppen dazu - und dann alle, die es wollten. "Auch ich werde mich impfen lassen, wenn ich an der Reihe bin", betonte Merkel.

Merkel gedenkt der Corona-Opfer

Merkel rief dazu auf, am Ende des Jahres innezuhalten und derer zu gedenken, die infolge einer Infektion gestorben sind. "Wir dürfen als Gesellschaft nicht vergessen, wie viele einen geliebten Menschen verloren haben, ohne ihm in den letzten Stunden nah sein zu können. Ich kann ihren Schmerz nicht lindern. Aber ich denke an sie, gerade auch heute Abend", sagte sie. Zugleich verurteilte die Kanzlerin jene, die die Corona-Pandemie leugnen. "Verschwörungstheorien sind nicht nur unwahr und gefährlich, sie sind auch zynisch und grausam diesen Menschen gegenüber."

Viele Menschen seien in diesem Jahr aber auch über sich hinausgewachsen, "ohne das an die große Glocke zu hängen", so Merkel. Sie lobte den unermüdlichen Einsatz von Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräfte in Krankenhäusern, Pflegeheimen und all jener, die dazu beigetragen haben, dass das tägliche Leben trotz Pandemie weiter möglich war.

Merkels voraussichtlich letzte Neujahrsansprache

Zudem sei sie dankbar dafür, wie diszipliniert sich die allermeisten Menschen an das Tragen einer Maske gehalten hätten. "Darin drückt sich für mich aus, was ein Leben in einer menschenfreundlichen Gesellschaft erst möglich macht: Rücksichtnahme auf andere, die Einsicht, sich selbst auch einmal zurückzunehmen, das Bewusstsein von Gemeinsinn", so Merkel.

All diese Anstrengungen würden auch im kommenden Jahr noch nötig sein, sagte die Kanzlerin. "Ist also auch im neuen Jahr alles Corona? Nein, und das war es auch im alten nicht", so Merkel. "Nicht erst seit Beginn der Pandemie verändert sich die Welt, in der wir leben, rasant und grundlegend."

Ihre Neujahrsansprache schloss Merkel mit persönlichen Worten. Da sie bei der Bundestagswahl im September nicht wieder antrete, sei es "heute aller Voraussicht nach das letzte Mal, dass ich mich als Bundeskanzlerin mit einer Neujahrsansprache an Sie wenden darf." Nie zuvor in ihrer Kanzlerschaft habe sie ein so sorgenvolles Jahr erlebt. "Ich denke, ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Nie in den letzten 15 Jahren haben wir alle das alte Jahr als so schwer empfunden - und nie haben wir trotz aller Sorgen und mancher Skepsis mit so viel Hoffnung dem neuen Jahr entgegengesehen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Dezember 2020 um 04:48 Uhr.