Volker Wissing | dpa

Verkehrsminister Wissing Nachfolge für 9-Euro-Ticket ab Jahresende?

Stand: 19.07.2022 08:52 Uhr

Das 9-Euro-Ticket ist für Verkehrsminister Wissing ein "Riesenerfolg". Ein Nachfolgeangebot hält er frühestens Ende des Jahres für möglich - vorher wolle man Daten zur besseren Bewertung des Tickets abwarten.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing hält ein Nachfolgeangebot für das 9-Euro-Ticket für Ende des Jahres oder Anfang 2023 für möglich. Das bisherige Modell läuft Ende August aus. Der Nachrichtenagentur dpa sagte der FDP-Politiker, er wolle darauf warten, bis Anfang November Daten zu dem Ticket vorliegen, die bei der Bewertung helfen sollen.

Die Daten sollen Fragen beantworten, wie "Was sind die Erfahrungen damit? Welche Rolle spielt der Preis? Welche Rolle spielt das einfache Handling oder die deutschlandweite Geltung?" Es werde viel gemutmaßt, aber so richtig wisse man die Antworten auf die Fragen nicht. "Darum brauchen wir die Ergebnisse der Evaluation."

Vorschläge für Nachfolgemodell

Für monatlich neun Euro kann in Deutschland zwischen Juni und August der öffentliche Nahverkehr genutzt werden. Vorgeschlagen für ein Anschlussmodell wurden unter anderem ein 365-Euro-Jahresticket oder ein 69-Euro-Monatsfahrschein. Dabei geht es vor allem um die Finanzierungsfrage. Das jetzige 9-Euro-Ticket finanziert der Bund mit rund 2,5 Milliarden Euro.

Wissing will sich noch nicht auf eine Nachfolgelösung festlegen. "Wir brauchen ein Modell, das in die Haushalte der Länder und auch in den Haushalt des Bundes passt." Bei einer Einigung zwischen Bund und Ländern könne es aber schnell gehen. "Wir haben ja gesehen, dass wir innerhalb weniger Wochen einen Vorschlag auf den Tisch legen und ein digitales Ticket anbieten konnten. Insofern bin ich optimistisch, dass es auch dieses Mal schnell gehen kann", sagte der Verkehrsminister.

Ticket für Wissing ein "Riesenerfolg"

Zur Halbzeit des 9-Euro-Tickets sieht Wissing wesentliche Ziele erreicht. "Wir haben damit etwas ausgelöst, was sehr wichtig war für den ÖPNV, nämlich einen Modernisierungsschub", sagte er. "Der ÖPNV ist dadurch ein Stück digitaler geworden, er ist einfacher geworden, und er ist stärker auf die Fahrgäste ausgerichtet worden", so Wissing. Er bewertete das Ticket als "Riesenerfolg".

Es seien 21 Millionen Tickets zusätzlich verkauft worden, die Fahrgastzahlen wieder auf das Niveau der Zeit vor der Pandemie gestiegen. Weniger als 0,1 Prozent der Züge seien so stark ausgelastet gewesen, dass Sicherheitsmitarbeiter hätten eingreifen müssen. Wissing betont jedoch, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen müsse. "Es ist ja nicht so, dass der niedrigste Preis immer die größte Zufriedenheit herbeiführt. Wenn die Leistung dahinter nicht stimmt, dann nutzt es niemandem, für einen Euro fahren zu können, aber die Takte nicht passen", sagte Wissing mit Blick auf das vorgeschlagene 365-Euro-Ticket.

Wissing will außerdem einen Anstoß dazu geben, den "Tarifdschungel" im Nahverkehr zu beseitigen. "Wir haben ja viele Bahnhöfe, in denen teils mehrere Fahrkartenautomaten stehen, die kein Mensch so richtig versteht."

Greenpeace will klimaschädliche Subventionen streichen

Der Umweltverband Greenpeace spricht sich klar für ein Nachfolgeticket aus. Laut Greenpeacce biete ein dauerhaftes günstiges ÖPNV-Angebot Antworten auf gleich zwei drängende Probleme: Es entlaste die von der Energiekrise getroffenen Haushalte spürbar und es bringe den Klimaschutz im Verkehr voran, sagte Greenpeace-Verkehrsexpertin Marissa Reiserer.

So könnte die Verkehrsverlagerung durch ein solches Ticket laut Greenpeace-Erhebungen den CO2-Ausstoß um zwei bis sechs Millionen Tonnen pro Jahr senken. Je nach Kosten des Tickets könnten Haushalte monatlich mehrere hundert Euro sparen. Zur Finanzierung schlägt Greenpeace vor, gezielt klimaschädliche Subventionen wie etwa die Pendlerpauschale zu streichen.