Polizisten nach dem Münchner Amoklauf

Neue Ermittlungsergebnisse Täter schoss mit umgebauter Dekowaffe

Stand: 24.07.2016 14:41 Uhr

Der Amokschütze von München hat eine Dekorationswaffe eingesetzt, die wieder schussfähig gemacht worden war. Die Pistole stamme aus Tschechien oder der Slowakei, sagte der bayerische Innenminister Herrmann. Nach LKA-Angaben bereitete der 18-Jährige sich seit einem Jahr auf die Tat vor.

Bei dem Amoklauf von München wurde nach ersten Ermittlungsergebnissen eine wieder funktionsfähige gemachte Dekorationswaffe oder Theaterwaffe eingesetzt. Sie stamme aus Tschechien oder der Slowakei, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann dem Bayerischen Rundfunk.

Der 18-jährige Täter kaufte die halbautomatische Glock-17-Pistole laut Herrmann über das sogenannte Darknet - dieser Teil des Internets ist nur mit einer Verschlüsselungssoftware zugänglich. Er habe einem Händler dafür einige Hundert Euro gezahlt. Bei LKA-Ermittlungen wurde ein Chatverlauf gefunden, der diese Art der Beschaffung nahelegt.

Derzeit sei noch unklar, ob der Täter die Waffe selbst wieder reaktiviert hat. Das werde derzeit von Ermittlern geprüft, sagte BR-Korrespondent Sebastian Kraft. Die Seriennummer der Waffe wurde allerdings herausgefräst, was einen direkten Herkunftsnachweis derzeit unmöglich macht.

Sebastian Kraft, BR, über erste Erkenntnisse zur Tatwaffe
tagesschau 13:15 Uhr, 24.07.2016

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LKA: Definitiv ein Einzeltäter

Unklar ist auch, woher die 300 Schuss 9-Millimeter-Munition stammen, die der Täter bei seinem Amoklauf verwendet hatte und in seinem Rucksack lagen. Am Freitagabend hatte der 18 Jahre alte Täter vor und im Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschossen und sich dann vor den Augen von Polizisten selbst getötet.

Am Tatort wurden insgesamt 58 Patronenhülsen gefunden, von denen 57 aus der Tatwaffe abgegeben wurden. Dies gab das LKA bei einer Pressekonferenz bekannt. Die andere Hülse stamme aus der Waffe des Polizisten, der auf den Täter geschossen hatte. Nach der Untersuchung der verschossenen Munition stehe nun definitiv fest, dass es sich um einen Einzeltäter handelte.

Täter verfasste "Manifest" zum Amoklauf

Der Amokläufer habe ein schriftliches "Manifest" angefertigt, sagte der Präsident des bayerischen LKA, Robert Heimberger. Der Täter habe sich seit einem Jahr mit dieser Tat befasst.

Seine Opfer suchte der 18-jährige Schütze nach den bisherigen Ermittlungen nicht gezielt aus. Dies teilte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch von der Staatsanwaltschaft München bei der Pressekonferenz mit. Einen politischen Hintergrund der Tat schloss er klar aus. Warum Tatort und Tatzeitpunkt ausgesucht wurden ist unbekannt, so das LKA.

Kein Facebook-Account gehackt

Bei der Pressekonferenz wurden zudem Angaben zu einem angeblich gehackten Facebook-Account korrigiert, mit dessen Hilfe Menschen zum Tatort gelockt worden sein sollen. Der Täter habe einen falschen Facebook-Account mit von einer echten Person übernommenen Fotos und Daten angelegt, so dass LKA.

Herrmann sagte dem BR weiter, dass der Schütze vor ein bis zwei Jahren in Winnenden war, wo im März 2009 ein Amokläufer 15 Menschen und sich selbst getötet hatte. In der Wohnung wurde nach Aussage von Bundesinnenminister Thomas de Maizières Material gefunden, das Verbindungen nicht nur zum Amoklauf von Winnenden 2009, sondern auch zum Massenmord des Norwegers Anders Behring Breivik vor fünf Jahren vermuten lasse.

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