Merkel und Trump während es G7-Gipfels | Bildquelle: dpa

Reaktionen nach G7-Gipfel Das Vertrauen in die USA schwindet

Stand: 29.05.2017 13:22 Uhr

"Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei." Nach dem frustrierenden G7-Gipfel rief Kanzlerin Merkel Europa zu mehr Eigenständigkeit auf. SPD-Chef Schulz hält ein geeintes Europa für die richtige Antwort auf Trump.

Wie tief der Riss im Verhältnis zu den USA ist, zeigte sich erst am Tag nach dem G7-Gipfel von Taormina. Kanzlerin Merkel nannte den US-Präsidenten beim Wahlkampfauftritt in München nicht beim Namen - und doch war klar, dass Donald Trump gemeint war: "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei", sagte sie beim gemeinsamen Termin mit CSU-Chef Horst Seehofer in einem Bierzelt - "das habe ich in den letzten Tagen erlebt", so Merkel.

Bundeskanzlerin Merkel fordert Eigenverantwortlichkeit von Europa
ARD-Morgenmagazin, 29.05.2017, Anja Köhler, ARD Berlin

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Merkel: "Schicksal in die eigene Hand nehmen"

Der Präsident der USA als unsicherer Kantonist - ein solches Bild für das deutsch-amerikanische Verhältnis wäre noch vor Kurzem undenkbar gewesen. Nach Trumps Blockade beim G7-Gipfel ist ihre Schlussfolgerung: "Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen."

Natürlich tue man dies in Freundschaft zu den USA und Großbritannien und in guter Nachbarschaft, "wo immer das geht, auch mit Russland, auch mit anderen Ländern", betonte Merkel. "Aber wir müssen wissen: Wir müssen selber für unsere Zukunft kämpfen, als Europäer, für unser Schicksal."

Trotzdem hält die Bundesregierung das G7-Forum nicht für überholt. "Es ist ein ganz wichtiges Format" für den direkten Austausch der Staats- und Regierungschefs der sieben großen Industriestaaten, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Wegen der begrenzten Größe der Runde sei der Austausch "auch informell und dadurch besonders intensiv".

Die Kanzlerin sei zudem "eine zutiefst überzeugte Transatlantikerin" und die deutsch-amerikanischen Beziehungen "ein fester Pfeiler unserer Außen- und Sicherheitspolitik, und Deutschland wird auch weiter daran arbeiten, diese Beziehungen zu stärken". Gerade deswegen sei es aber "richtig, Differenzen auch ehrlich zu benennen".

Schulz: "Europa ist die Antwort"

SPD-Chef Martin Schulz forderte die europäischen Staaten zu einer engeren Zusammenarbeit auf. "Eine stärkere Kooperation der europäischen Staaten auf allen Ebenen ist die Antwort an Donald Trump", sagte der SPD-Vorsitzende dem ARD-Hauptstadtstudio. "Und vor allen Dingen dürfen wir uns nicht der Aufrüstungslogik von Trump unterwerfen."

Er verlangte zudem eine entschiedenere Haltung Europas gegenüber Trump: "Ich glaube, man hätte sich auch schon auf dem NATO-Gipfel, aber ganz sicher auf dem G7-Gipfel sehr deutlich positionieren müssen - gegen einen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, der ja andere demütigen will, der ja im Stile eines autoritären Herrschers auftritt." So habe der damalige SPD-Kanzler Gerhard Schröder gegenüber US-Präsident George W. Bush, der sich ähnlich verhalten habe, klar Haltung bezogen. Er erwarte, "dass wir auch jetzt wieder eine solche Haltung einnehmen", sagte Schulz.

"Keine Ewigkeitsgarantie" schon am 12. Januar

Donald Trump war noch nicht offiziell in sein Amt als US -Präsident eingeführt, da sprach Angela Merkel am 12. Januar in Brüssel bereits Klartext: "Machen wir uns nichts vor: Aus Sicht einiger unserer traditionellen Partner gibt es keine Ewigkeitsgarantie für die Zusammenarbeit mit uns Europäern. Ich denke da auch an die transatlantischen Beziehungen", betonte Merkel damals wörtlich im in ihrer Dankesrede für die gemeinsame Ehrendoktorwürde der Universitäten Gent und Löwen. Europa und die Europäische Union müssten in Zukunft mehr Verantwortung in der Welt übernehmen. Davon sei sie überzeugt.

Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Bartsch: "G7 ist Format der Vergangenheit"

Der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Dietmar Bartsch, hält eine gemeinsame Politik der sieben großen westlichen Industriestaaten insgesamt für gescheitert. Das G7-Format sei "ein Format der Vergangenheit", denn kein wirkliches Problem sei gelöst worden, insbesondere nicht die aktuellen Hungerkatastrophen, sagte Bartsch dem ARD-Hörfunk.

Im Hinblick auf eine stärkere europäische Zusammenarbeit setzt Bartsch allerdings auch wenig Hoffnung auf den G20-Gipfel im Juli in Hamburg: "Hier treffen sich Menschen von Herrn Trump bis zu Herrn Erdogan, wo ich eine riesengroße Skepsis habe, dass es Ergebnisse gibt. Eigentlich ist es wohl das Beste, den Gipfel abzusagen. Aber es wird niemand auf mich hören."

Fast ein Fiasko

Trump hatte die Gruppe der sieben großen Industrienationen (G7) mit seinem Konfrontationskurs auf dem G7-Gipfel in eine schwere Krise gestürzt. Nur in letzter Minute konnte ein Fiasko abgewendet werden. Allein in der Handelspolitik näherten sich die Staats- und Regierungschefs an. Massive Differenzen gab es beim Umgang mit Flüchtlingen und im Klimaschutz. "Sehr unzufriedenstellend" sei die gesamte Diskussion, bilanzierte Merkel.

Mit Informationen von Gabriele Intemann, ARD-Hauptstadtstudio.

Berliner Reaktionen auf den G7-Gipfel
G. Intemann, ARD Berlin
28.05.2017 23:21 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 28. Mai 2017 um 22:45 Uhr.

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