Matratze | Bildquelle: dpa

Bundesgerichtshof Matratze zurück - auch ausgepackt möglich

Stand: 03.07.2019 14:09 Uhr

Wer im Internet eine Matratze bestellt, darf diese aus der Schutzfolie auspacken, probeliegen und - wenn sie nicht gefällt - wieder an den Händler zurückschicken. Das hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe abschließend entschieden.

Von Ramon Babazadeh, ARD-Rechtsredaktion

Es ist mittlerweile fünf Jahre her, dass Sascha Ledowski aus Mainz im Internet eine Matratze bei einem Online-Händler kauft. Als die Matratze bei ihm ankommt, ist sie eingerollt und eingepackt in eine Plastikfolie: "Dazu kommt allerdings, dass diese Plastikfolie mit einer Unzahl von Klebestreifen zusammengehalten war. Alleine beim Abziehen der Klebestreifen kam es zu Beschädigungen dieser Folie, die der Händler im Nachhinein als Schutzfolie aus hygienischen Gründen deklariert hat. Und da diese Folie ohnehin beschädigt war, habe ich die Matratze vollständig ausgepackt."

Klage vor dem Europäischen Gerichtshof

Ledowski legt die Folie zur Seite und die Matratze auf den Lattenrost in seinem Bett. Am Abend legt er sich zum ersten Mal drauf. Und merkt schnell, dass es ein Fehlkauf war: "Die Matratze war einfach zu hart. Ich konnte nicht drauf schlafen. Ich habe es ausprobiert die halbe Nacht. Danach bin ich aufgestanden und hab` mich woanders schlafen gelegt."

Ein paar Tage später packt Ledowski die Matratze also wieder ein und schickt sie zurück an den Händler. Doch der weigert sich, ihm das Geld zurückzuerstatten. Seine Begründung: Die Matratze sei ein Hygiene-Artikel und die Schutzfolie schon entfernt. Ledowski klagt und er bekommt recht - erst vom Europäischen Gerichtshof, jetzt abschließend auch vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

Matratze vergleichbar mit Kleidung

Louisa Bartel, Pressesprecherin des Bundesgerichtshofs, erklärt: "Bestellt ein Käufer im Internet eine Matratze, so kann er sie aus der Schutzfolie nehmen, sie ausprobieren und sie innerhalb von 14 Tagen zurückgeben, wenn sie ihm nicht gefällt." Begründung: Matratzen seien vergleichbar mit Kleidung. Die kaufen Kunden online ja auch, packen sie zu Hause aus, probieren sie an - und schicken sie zurück, wenn sie ihnen nicht gefällt. Dieses Widerrufsrecht gilt also auch für eine Matratze, "weil sie - auch, wenn die Schutzfolie entfernt ist - durch geeignete Maßnahmen - zum Beispiel durch Reinigung - wieder verkaufsfähig gemacht werden kann. So wird es bei Kleidung eben auch gemacht", so Bartel.

Für Matratzenkäufer Ledowski bedeutet das: Nach fünf Jahren Rechtsstreit bekommt er das Geld für die Matratze und für den Rücktransport zurück - insgesamt etwa 1200 Euro.

Bundesgerichtshof: Online-Händler muss Matratze auch ausgepackt zurücknehmen
Ramon Babazadeh, SWR
03.07.2019 12:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Juli 2019 um 10:15 Uhr.

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