Karl Lauterbach | dpa

Aufruf zur Corona-Impfung Lauterbach will "keine Angstkampagne"

Stand: 14.10.2022 11:28 Uhr

Mit einer neuen Kampagne zum Schutz vor Corona im Herbst und Winter will Gesundheitsminister Lauterbach für eine höhere Impfquote werben. Bei der Vorstellung appellierte er zudem an die Länder, rechtzeitig weitere Maßnahmen zu ergreifen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat die Länder wegen vielerorts hoher Corona-Infektionszahlen eindringlich aufgefordert, wieder mehr Maskenvorgaben für Innenräume vorzusehen. "Die Richtung, in die wir unterwegs sind, ist keine gute", sagte der SPD-Politiker mit Blick auf steigende Zahlen bei Ansteckungen, Gestorbenen und Belastungen in Kliniken. "Es ist jetzt wirklich an der Zeit", sagte er. Sinnvoll sei, mit geringeren Einschränkungen jetzt zu arbeiten als mit sehr drastischen spät zu reagieren.

Lauterbach sagte, er gehe von einer "erheblichen Dunkelziffer" bei Corona-Infektionen aus. "Ich glaube, dass die Zahlen, die wir haben, zuverlässig sind, aber nicht vollständig." Es gebe eine Untererfassung bei Menschen, die einen positiven Schnelltest nicht durch einen PCR-Test bestätigen ließen. "Daher rechnen wir mit einer Dunkelziffer, dass die Gesamtzahl drei bis vier Mal so hoch ist wie das, was wir jetzt auswerten. Und das bedeutet, dass wir derzeit möglicherweise nicht 100.000 neue Fälle haben, sondern, wenn man alle Fälle zählen würde, bis zu 400.000 Fälle."

Neue Kampagne mit lustigen und "nicht so lustigen" Motiven

Lauterbach stellte eine neue Kampagne unter dem Motto "Ich schütze mich" vor, die für Impfungen, aber auch für gegenseitige Vorsicht und Schutz mit Masken werben soll. Es sei keine Angstkampagne. "Es geht darum, dass wir als Gemeinschaft zusammenhalten." In der Kampagne würden 84 "echte Personen" von ihrem Schicksal berichten, etwa auch zu länger anhaltenden Gesundheitsbeschwerden nach Infektionen (Long Covid). Es gebe lustige und "nicht so lustige" Motive in der Kampagne. Die 84 Personen stehen für 84 Millionen Menschen in Deutschland. Geplant sind Veröffentlichungen in allen Medien.

Bei der Vorstellung kritisierte Lauterbach auch die "Verharmlosung" bei der Diskussion um Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Ob jemand "mit" oder "an" Corona gestorben sei, werde von Laien falsch bewertet. "Denn wenn ich mit Corona sterbe, kann es trotzdem so sein, dass ich ohne die Corona-Infektion nicht gestorben wäre", sagte Lauterbach. "Das kriegen viele nicht auseinander. Die denken dann, mit Corona gestorben bedeutet, der wäre sowieso gestorben."

Zudem steige durch eine Corona-Infektion für ein Jahr auch die Wahrscheinlichkeit an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. "Derjenige, der jetzt Corona gehabt hat und sechs Monate später an einem Herzinfarkt stirbt, der kommt nie in die Corona-Statistik", erklärte Lauterbach. "Die müssten aber eigentlich auch gezählt werden, weil der Mensch ohne die Infektion nicht gestorben wäre." Diese Verharmlosung sei nicht angemessen.

Instrumente für Pandemie-Kontrolle vorhanden

Der Minister machte deutlich, dass mit fortentwickelten Impfstoffen, Medikamenten für Infizierte und genaueren Daten die Instrumente für eine Pandemie-Kontrolle im Herbst und Winter vorhanden seien. Die Bundesregierung setze alles daran, dass die Corona-Krise in Zeiten des Ukraine-Krieges und hoher Inflation im Hintergrund bleibe und nicht zum bestimmenden Thema im Herbst und Winter werde.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. Oktober 2022 um 11:00 Uhr.