Lambrecht bei ihrem Besuch im Bundeswehr-Stützpunkt Laage. Im Hintergrund ein Eurofighter.  | dpa

Lambrechts erste Auslandsreise Sofort im Krisenmodus

Stand: 19.12.2021 02:59 Uhr

Die neue Verteidigungsministerin Lambrecht tritt heute ihre erste Auslandsreise an. In Litauen wird sie 570 deutsche Soldatinnen und Soldaten im NATO-Einsatz treffen. Dabei dürfte es vor allem um Russland gehen.

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Wirklich Zeit zum entspannten Einarbeiten bleibt der neuen Verteidigungsministerin nicht. Dafür sorgt schon Russlands Präsident Wladimir Putin mit einem massiven Truppenaufmarsch nahe der ukrainischen Grenze. Ein Thema, das die erste Auslandsreise von Christine Lambrecht prägen beziehungsweise überschatten wird. Denn Gastgeber Litauen fühlt sich genau wie die anderen baltischen Länder sowie Polen unmittelbarer durch Russland bedroht.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

Zur Absicherung und Abschreckung hatte das Verteidigungsbündnis Anfang 2017 vier - jeweils rotierende - Kampfverbände an die Ostflanke entsandt. Eine Reaktion auf die Annexion der Krim durch Russland. Einen wichtigen Pfeiler dieser sogenannten "Enhanced Forward Presence" bildet die Bundeswehr, die den Verband in Litauen anführt. Derzeit sind dort rund 570 deutsche Soldatinnen und Soldaten stationiert. Für die neue Ministerin, die sich zu Verteidigungsfragen in den vergangenen Jahren kaum je geäußert hatte, soll der Besuch auch Gelegenheit sein, die Truppe näher kennenzulernen.

Die neue Verteidigungsministerin Lambrecht schreitet an Soldaten vorbei. | dpa

Die neue Verteidigungsministerin Lambrecht galt bisher nicht als Expertin für Bundeswehr-Fragen. Bild: dpa

Wie steht Lambrecht zu Russland?

Über allem schwebt letztlich die Frage nach dem richtigen Umgang mit Russland. Innerhalb der NATO gebe es Pläne, die Ostflanke des Bündnisses noch weiter zu stärken, hatte der "Spiegel" berichtet - indem auch in Rumänien und Bulgarien Kontingente von bis zu 1500 Soldaten aufgebaut werden. Von mehreren NATO-Diplomaten hieß es laut dem Magazin, der Vorschlag werde beim nächsten Treffen der NATO-Verteidigungsminister diskutiert und könne im Fall einer Einigung Ende Juni in Madrid beschlossen werden.

Zu diesem Szenario werden sich Deutschland und auch die SPD, die in Teilen als russlandfreundlich gilt, nun positionieren müssen.

Moskau verlangt von der NATO das genaue Gegenteil, nämlich, wie am Freitag bekannt wurde, dass die Allianz keine weiteren Truppen in Richtung Osteuropa verschiebt und eine Mitgliedschaft etwa der Ukraine ausschließt. Die durch Russland aufgebaute Drohkulisse könnte dem Zweck dienen, diese "Sicherheitsgarantien" durchzusetzen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Dezember 2021 um 09:00 Uhr in den Nachrichten.