Schülerinnen und Schüler sitzen während einer Abiturprüfung mit dem vorgeschriebenen Abstand zueinander in der Aula  (Mai 2020) | picture alliance/dpa

Corona-Pandemie Abi- und Abschlussprüfungen finden statt

Stand: 21.01.2021 15:58 Uhr

Die Abitur- und Abschlussprüfungen werden in diesem Jahr stattfinden - darauf haben sich die Kultusminister der Länder geeinigt. Die Schüler sollen keine Nachteile wegen der Pandemie haben, so die Begründung.

Die Abschlussprüfungen an Schulen und Berufsschulen sollen nach den derzeitigen Plänen der Kultusminister der Länder auch in diesem Corona-Schuljahr wie geplant stattfinden. Zudem sollen alle Abschlüsse in den Ländern gegenseitig anerkannt und als gleichwertig mit denen anderer Jahrgänge eingestuft werden. Darauf haben sich die Ministerinnen und Minister in einer Schaltkonferenz verständigt.

Abschlüsse ja - mit Blick auf das Infektionsgeschehen

"Die Kultusministerkonferenz bekräftigt, dass die Abiturprüfungen auch im Jahr 2021 stattfinden", heißt es in dem gemeinsamen Beschluss. Dafür solle auch der gemeinsame Abituraufgabenpool genutzt werden, "wenn dem nicht zwingende Gründe entgegenstehen".

Die Länder wollen außerdem sicherstellen, dass die Abschlüsse im Sekundarbereich eins, also beispielsweise Haupt- und Realschulabschlüsse, erlangt werden können. Einschränkend heißt es hier: "in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen" und "unter Wahrung der regulären Standards und Beachtung der landeseigenen Regelungen".

Zu den Berufsabschlüssen heißt es: "An Berufsschulen sind Prüfungen durchzuführen, soweit es das Infektionsgeschehen zulässt."

Keine Nachteile für die Bildungsbiografie

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) sagte zu den getroffenen Verabredungen: "Unser heutiger Beschluss ist von dem Leitgedanken getragen, dass Schülerinnen und Schülern in diesem von der Pandemie geprägten Schuljahr keine Nachteile für ihre weitere Bildungsbiografie entstehen dürfen."

Einig sind sich die Minister ebenfalls darin, dass Prüfungen auch in geschlossenen Schulen stattfinden können, "sofern es keine entgegenstehenden Landesregelungen gibt". Auch im vergangenen Frühjahr fanden bei geschlossenen Schulen Prüfungen statt. Mündliche Prüfungen sollen im Ausnahmefall diesmal auch über Video möglich sein.

Wiederholung - ohne "Sitzenbleiben"

Aufgegriffen wird in dem Beschluss auch die Debatte über das "Sitzenbleiben". Der Deutsche Lehrerverband hatte mehrfach gefordert, lernschwachen Schülern eine freiwillige Wiederholung des Schuljahres anzubieten, ohne das als "Sitzenbleiben" zu werten. In der KMK-Vereinbarung heißt es nun, dass die Länder Schülern die Möglichkeit eröffnen könnten, das Schuljahr zu wiederholen, ohne dass dies auf die Verweildauer angerechnet werde - "insbesondere in der gymnasialen Oberstufe".

Das freiwillige Wiederholen eines Schuljahres ist auch heute schon möglich. Mancherorts wird es allerdings als "Sitzenbleiben" gewertet. Das bedeutet, dass ein Schüler unter Umständen die Schule verlassen muss, wenn er freiwillig wiederholt und seine Leistungen am Ende des Wiederholungsjahres nicht für eine Versetzung reichen.

Grundsätzlich handelt es sich bei der Verabredung der Kultusminister um einen rechtlich nicht bindenden gemeinsamen Rahmen. Die Bundesländer sind für Schulpolitik selbst verantwortlich und entscheiden am Ende selbstständig, wie genau sie in der Pandemie weiter vorgehen.

Maßnahmen zur Erleichterung

Für faire Rahmenbedingungen und zur Unterstützung der Schüler schlagen die Kultusminister verschiedene Maßnahmen vor: Prüfungstermine dürften verschoben werden, um mehr Lernzeit zu gewähren. So könnten etwa bisher als Nachschreibetermine vorgesehene Prüfungstage als Haupttermine genommen werden. Die Zahl von Klassenarbeiten oder Klausuren könne reduziert, und die Prüfungshinweise könnten etwa durch eine Schwerpunktsetzung präzisiert werden. Es sei ebenfalls möglich, mehr Prüfungsaufgaben zur Auswahl zu stellen und dafür die Auswahlzeit oder Arbeitszeit um eine halbe Stunde zu verlängern. Auch könnten die Schulen die zentral gestellten Prüfungsaufgaben auswählen.

Bildungsgewerkschaften zufrieden

Von Bildungsgewerkschaften wurde die Vereinbarung begrüßt. Die Regelungen zu den Abschlussprüfungen seien überfällig gewesen, sagte der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann.

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe, sagte der Nachrichtenagentur dpa, sie sei zufrieden, dass der Druck, den man bei dem Thema gemacht habe, nun bei der KMK zu dieser Vereinbarung geführt habe.

Tepe begrüßte, dass Spielräume etwa bei Prüfungsterminen oder Klassenarbeiten eingeräumt würden, betonte aber auch, dass die Vereinbarung keine endgültige Sicherheit geben könne: Es könne sein, dass weiter nachgesteuert werden muss, wenn die Infektionszahlen durch die befürchtete Virusmutation wieder stark anstiegen. Die GEW-Chefin forderte, dass besonders Fördermöglichkeiten für benachteilgte Schüler in den Blick genommen werden müssten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Januar 2021 um 15:32 Uhr.