Ein Soldat trainiert mit einem G36-Gewehr im Schießausbildungszentrum auf dem Kasernengelände des Kommandos Spezialkräfte (KSK). | dpa

Generalinspekteur zu Zwischenbericht KSK soll reaktiviert werden

Stand: 24.03.2021 10:56 Uhr

Nach mehreren Skandalen beim KSK sieht der Generalinspekteur der Bundeswehr nach einem Zwischenbericht über die Reform der Elitetruppe Fortschritte. Dem KSK solle wieder eine "stärkere operative Rolle übertragen" werden.

Die Elitetruppe KSK soll knapp ein Jahr nach Beginn der Aufarbeitung rechtsextremistischer Vorfälle in der Bundeswehr wieder in größeren Umfang für Einsätze vorgehalten werden. "Wir wollen dem KSK noch im Laufe des ersten Halbjahres 2021 wieder eine stärkere operative Rolle übertragen", sagte Generalinspekteur Eberhard Zorn zur Veröffentlichung eines Zwischenberichts über die Reform der Elitetruppe.

Zorn spricht von Fortschritten

Die Soldaten des Kommandos Spezialkräfte sollten stufenweise den Dienst in Einsätzen wiederaufnehmen. Die Einsätze des KSK sind geheim, es ist jedoch bekannt, dass die Soldaten in den vergangenen Jahren praktisch durchgängig in Afghanistan Dienst taten. Dort wird derzeit mit einer Verschlechterung der Sicherheitslage gerechnet. Zorn sprach von Fortschritten. Die bisher eingeleiteten Maßnahmen kämen praktisch einer Neuaufstellung des KSK gleich. Es gebe jedoch weiter Handlungsbedarf, etwa bei externen Auftragsvergaben.

"Ich bewerte den Reformprozess unverändert als keinen 400-Meter-Sprint, sondern als durchaus einen Marathon, bei dem wir auch noch etwas längeren Atem beweisen müssen", sagte Zorn.

Die im baden-württembergischen Calw stationierte Elitetruppe hatte seit 2017 immer wieder mit rechtsextremistischen Vorfällen Schlagzeilen gemacht. Alles begann im April 2017 mit einer Abschiedsparty für einen KSK-Kommandeur, bei der mit Schweineköpfen geworfen, Rechtsrock gespielt und der Hitlergruß gezeigt worden sein soll. Im Mai 2020 wurde dann auf dem Grundstück eines KSK-Soldaten in Sachsen ein Waffenversteck mit Munition und Sprengstoff von der Polizei ausgehoben. Daraufhin ließ Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) ein Reformkonzept für die Truppe erarbeiten und versprach, hart gegen Rechtsextremismus durchzugreifen.

In dem Zwischenbericht des Generalinspekteurs, den das Verteidigungsministerium gestern dem Verteidigungsausschuss des Bundestags ermittelte, geht hervor, das etwa 50 KSK Soldaten seit 2017 wegen des Verdachts rechtsextremistischer Aktivitäten ins Visier des Militärischen Abschirmdienstes geraten sind. Davon wurden fünf Soldaten aus der Bundeswehr entlassen, 16 weitere wurden versetzt oder haben das KSK verlassen. Ein rechtsextremistisches Netzwerk, das "ziel- und zweckgerichtet an dem Beseitigen der freiheitlichen demokratischen Grundordnung arbeitet, wurde dabei nicht erkannt", heißt es in dem 30-seitigen Bericht.

KSK seit 1996 aufgestellt

Die Elitetruppe war 1996 aufgestellt worden. Der Verband kommt in Kriegs- oder Krisengebieten überall dort zum Einsatz, wo herkömmliche Einheiten nicht mehr oder noch nicht eingesetzt werden können. Eine der Kernaufgaben des KSK ist die Geiselbefreiung im Ausland.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. März 2021 um 11:00 Uhr.