Abgestorbene Korallen am Great Barrier Reef

Strategiepapier als Weckruf Forscher fordern Schutz für Korallen

Stand: 20.07.2021 20:44 Uhr

Angesichts des Klimawandels haben Wissenschaftler weltweit vor dem Absterben von Korallenriffen gewarnt. In einem Strategiepapier fordern sie von der Politik drei konkrete Maßnahmen. Ein Drittel aller weltweiten Riffe dürfte dennoch verloren sein.

Ein internationales Team von Forschenden hat die Politik in einem Positionspapier aufgefordert, mit konkreten Maßnahmen gegen das Absterben der weltweiten Korallenriffe vorzugehen. Das kommende Jahrzehnt sei die letzte Chance, einen weltweiten Kollaps der Korallenriffe zu verhindern, heißt es dem Dokument, das auf dem 14. Internationalen Korallenriff-Symposium vorgestellt wurde.

"Die aktuellen Forschungsergebnisse zeigen, dass nur sehr wenige Korallenriffe intakt bleiben werden, wenn wir jetzt nicht handeln", sagte Christian Wild, Professor für Marine Ökologie an der Universität Bremen und Organisator des Symposiums, auf dem sich bis Freitag 1200 Fachleute digital austauschen.

Das Strategiepapier sei als Weckruf zu verstehen, sagte Wild. Die Riffe befänden sich an einem Wendepunkt, 30 Prozent seien bereits verloren, 40 Prozent massiv bedroht. Ursachen für die Zerstörung dieser bedeutenden Ökosysteme seien vor allem die Überfischung und die Verschmutzung der Meere sowie der Klimawandel. 

Wissenschaftler wollen "Superkorallen" züchten

Die Expertinnen und Experten fordern daher drei Maßnahmen: die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius, die Verbesserung lokaler Bedingungen für die Riffe etwa durch Kläranlagen und die Wiederaufforstung von Mangroven sowie die aktive Restauration von Korallenriffen.

"Die Modellprojektionen zeigen, dass bis zu 30 Prozent der Korallenriffe in diesem Jahrhundert überleben werden, wenn wir die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzen", sagte die Geowissenschaftlerin Andréa Grottoli, ICRS-Präsidentin und Mitautorin des Papiers.

Bei der Wiederherstellung von Riffen sollen neue Ansätze verfolgt werden: "Das Ziel ist die Aufzucht von 'Superkorallen', die besonders hitzeresistent sind", sagte Wild von der Uni Bremen. Sie könnten Wassertemperaturen von bis zu 34 Grad Celsius aushalten. Die mit Hilfe der Strömung verteilten Korallenlarven könnten auch beschädigte Riffe anderswo wieder nachwachsen lassen.

Korallen wichtig für Küstenschutz

Das Strategiepapier wurde von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den USA, Afrika, Europa, dem Nahen Osten und Australien unter der Schirmherrschaft der ICRS verfasst. Korallenriffe gehören zu den artenreichsten und bedeutendsten Lebensräumen der Weltmeere. Sie sind überdies wichtig für die lokale Nahrungsversorgung, für die Wirtschaft und schützen die Küsten vor Sturmfluten.

Eine Hauptbedrohung ist die sogenannte "Korallenbleiche". Sie führt in den meisten Fällen zu einem großflächigen Absterben der riffbildenden Korallen und damit zur Vernichtung großer Ökosysteme. Ein zentraler Auslöser für die Korallenbleiche ist die globale Meereserwärmung, die direkt auf den Klimawandel zurückzuführen ist.

Die nächsten Gelegenheiten zum Handeln bieten aus Sicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den kommenden Monaten die UN-Klimakonferenz in Glasgow und die UN-Biodiversitätskonferenz in Kunming.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Juli 2021 um 11:40 Uhr.