Ein Hörsaal aus der Hubschrauberperspektive.

Kooperationsverbot gelockert Bund darf Hochschulen unterstützen

Stand: 13.11.2014 20:22 Uhr

Der Bund kann sich in Zukunft stärker in die Hochschulpolitik einschalten. Das entschied der Bundestag am Abend. Das Parlament stimmte für eine Lockerung des sogenannten Kooperationsverbotes im Grundgesetz (Artikel 91b). Für die Verfassungsänderung stimmten 482 von 592 Abgeordneten - damit war die notwendige Zweidrittel-Mehrheit erreicht.

Der Bund kann - eine erwartete Zustimmung des Bundesrates vorausgesetzt - zukünftig Projekte an Hochschulen dauerhaft finanzieren, wenn es sich um Fälle von "überregionaler Bedeutung" handelt. Derzeit ist eine solche Förderung nur zeitlich oder thematisch begrenzt erlaubt. Mit der Neuregelung wird ein besonders umstrittener Teil der erst 2006 beschlossenen Föderalismusreform korrigiert.

Opposition fordert Ausweitung auf Schulen

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) sagte, die Zusammenarbeit zwischen Bund und den zuständigen Ländern werde "noch unkomplizierter, noch verlässlicher und noch strategischer". Sowohl Hochschulen als auch Studierende würden davon profitieren. SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil sprach von Möglichkeiten, "die es historisch noch nie gab". Diese werde man entschlossen nutzen, etwa für den wissenschaftlichen Nachwuchs oder die Fortsetzung der Exzellenzinitiative.

Der Opposition geht die Reform nicht weit genug. Linke und Grüne forderten in der Debatte unter anderem, das Verbot der Kooperation müsse auch im Schulbereich fallen. Auf Kritik stieß ferner die Tatsache, dass die Neuregelung auf überregional bedeutende Vorhaben beschränkt bleiben soll.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Prof. 13.11.2014 • 23:47 Uhr

@Melamin

""Kooperationsverbot" Wer hat sich diesen Mist erst ausgedacht?" Die Unabhängigkeit der Bildungseinrichtungen von Bundespolitik war eine Antwort auf den systematischen Missbrauch im 19. sowie 20. Jahrhundert. "Zentralismus" heißt das Schlagwort. Wir sind sehr gut mit dem System gefahren. Das deutsche Diplom war der höchst anerkannte Abschluss in der Welt. Die Anpassung an das Mittelmaß, nichts anderes als die Senkung des Bildungsniveau, führte zu: "Die Berufsausbildung beziehungsweise der Hochschulabschluss ist sozusagen »nur« zur Eintrittskarte für eine Berufsausübung geworden." Willkommen im Mittelmaß.