Zollbeamte breiten sichergestelltes Kokain auf einem Tisch aus. | Bildquelle: dpa

Anklage erhoben Mammut-Kokain-Prozess steht bevor

Stand: 12.02.2019 06:00 Uhr

In einem der größten Kokain-Verfahren Deutschlands hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen acht Männer erhoben. Ihre Bande soll rund zwei Tonnen der Droge nach Deutschland geschmuggelt haben.

Von Volkmar Kabisch, Jan Strozyk, Benedikt Strunz (NDR) und Josef Streule (BR)

Es dürfte einer der größten Kokain-Prozesse in der Geschichte der Bundesrepublik werden. Die Staatsanwaltschaft Landshut hat Anklage gegen acht Männer erhoben. Ermittler gehen davon aus, dass sie Teil eines Netzwerks sind, das zwischen September 2017 und April 2018 rund zwei Tonnen Kokain nach Deutschland geschmuggelt haben soll. Ihnen wird bandenmäßiger unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen vorgeworfen.

Die Anklage ist auch deshalb außergewöhnlich, weil es den Ermittlern offenbar gelungen ist, Täter aus der mittleren Führungsebene eines international agierenden Rauschgiftrings zu fassen. Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor, die Reporter von NDR, BR und "Süddeutscher Zeitung" einsehen konnten.

Kokain in Bananenkisten.
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Kokain-Pakete wurden in Bananenkisten versteckt.

Spur zu Reifehallen für Obst zurückverfolgt

Demnach fielen die Taten auf, weil im September 2017 in mehreren Supermärkten in Niederbayern Bananenkisten angeliefert wurden, in denen die Markt-Mitarbeiter Kokain-Pakete entdeckten. Die Ermittler verfolgten daraufhin die Spur der Lieferungen zurück und stellten fest, dass es immer wieder zu Einbrüchen in sogenannten Reifehallen gekommen war.

In diesen Hallen werden Bananen und andere Obstsorten gelagert und von dort in Deutschland und Europa verteilt. Mit Hilfe aufwändiger Überwachungsmaßnahmen konnten die Ermittler das Vorgehen der Täter aufdecken. Zwischenzeitlich waren rund 500 Zollfahnder, Polizisten und Staatsanwälte im Einsatz.

Benedikt Strunz, NDR, mit Einzelheiten zum Kokainfund und den Angeklagten
tagesschau24 11:00 Uhr, 12.02.2019

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Bis zu 320 Kilo Kokain pro Einbruch

In Ecuador soll demnach Kokain in Bananenlieferungen versteckt worden sein, die allesamt in Reifehallen einer bestimmten Firma in Deutschland geliefert wurden. In diese Hallen brachen die Täter ein und klauten das Kokain, bis zu 320 Kilogramm pro Einbruch. Dazu, so legen es die Ermittler dar, sollen eigens Einbrechergruppen aus Albanien eingeflogen worden sein.

Das LKA Bayern registrierte im Ermittlungszeitraum acht Einbrüche in Reifehallen in Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und im Saarland. Überwachungsvideos zeigen, dass die Täter dabei teilweise bewaffnet vorgingen. Durch Funkzellenabfragen und Telefonüberwachung kamen die Ermittler dem Netzwerk letztlich auf die Spur.

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Bilder aus Überwachungskameras zeigen, wie die Bande offenbar vorging.

Bande offenbar aus Hamburg gesteuert

Kontrolliert und gesteuert wurde die Gruppe offenbar aus Hamburg, wo einer der Hauptbeschuldigten, der 21-jährige Dario L., eine konspirative Wohnung angemietet hatte. In dieser Wohnung fanden Ermittler später unter anderem Lieferscheine für Bananen. L. soll als "Logistiker" für die Bande gearbeitet haben, der 25-jährige Klajdi D. soll die Einbrecherbanden geleitet haben. Der 40-jährige Alberto K. soll die gesamte Gruppe angeführt haben.

Offenbar beobachtete die Polizei einen Teil der Gruppe der Männer dabei, wie sie vor Einbrüchen Reifehallen auskundschafteten. Auch Besprechungen in einem Hamburger Cafe, in dem sich die Männer regelmäßig trafen, wurden offenbar observiert.

Im April 2018 schlugen die Beamten dann im gesamten Bundesgebiet zu und nahmen mehrere Personen fest. In Ahrensburg, Hamburg und Hannover durchsuchten sie außerdem Wohnräume, wobei die Einsatzkräfte zwei scharfe Revolver und mehr als 30.000 Euro in bar sicherstellten.

Erste Urteile bereits im Dezember

In einem abgetrennten Verfahren wurden im Dezember bereits vier Männer in Hamburg verurteilt, die als Kurierfahrer rund 180 Kilogramm Kokain von Hamburg in die Niederlande bringen wollten. Sie erhielten mehrjährige Haftstrafen, die Hamburger Staatsanwaltschaft teilte allerdings mit, in Revision gehen zu wollen, weil das Strafmaß zu gering sei.

Die nun in Landshut angeklagten acht Männer sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Das Verfahren ist auch insofern ungewöhnlich, als dass Ermittler hier offenbar mehrere Verdächtige festnehmen konnten, die sie nicht zur untersten Hierarchiestufe der Bande zählen, sondern die mindestens Teile der Gruppe befehligt haben sollen.

Peter Keller, der Leiter der Kriminalitätsbekämpfung beim Zollkriminalamt, spricht von einem "Erfolg, der auch in der Szene Eindruck macht". Es sei "ein vitales Netzwerk, was durch die erfolgreichen Ermittlungen jetzt erst einmal gestört ist". Allerdings rechnet Keller damit, dass die Bande die verhafteten Mitglieder ersetzen werde.

Jörg Beyser.
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Die Ermittler wollen weitere Hintermänner aufdecken, sagt Jörg Beyser vom LKA Bayern.

Ermittler suchen nach weiteren Hintermännern

Weitere Hintermänner der Bande, die auch in Albanien, den Niederlanden und in Südamerika aktiv sein soll, sind bislang nicht gefasst worden. Nach Informationen von NDR, BR und "SZ" sind in den vergangenen Monaten in anderen europäischen Ländern vermehrt Kokainfunde gemacht worden, die ebenfalls aus Ecuador stammten und in Bananenlieferungen versteckt waren.

Der zuständige Chefermittler des LKA Bayern, Jörg Beyser, sagte dem NDR, dass die Ermittlungen weitergingen. "Wir versuchen nun, die Hintermänner der Bande aufzudecken, und setzen dabei insbesondere auf eine intensive internationale Zusammenarbeit." Über die Eröffnung der Hauptverhandlung entscheiden jetzt die Gerichte.

Rechtsanwalt Hubertus Werner tritt als Verteidiger in dem anstehenden Verfahren auf. Er sagte, es werde sich erst im Prozess zeigen, wie belastbar die Beweise seien. Insbesondere die Auswertung von Funkzellen und die daraus geschlossene Zugehörigkeit einzelner Beschuldigter zu einer Tätergruppe kritisierte Werner. Er sprach von einer "anlasslosen Überwachung", die seiner Ansicht nach rechtlich schwierig und nicht mit der Strafprozessordnung zu vereinbaren sei. Der Anwalt rechnet mit einem langwierigen Prozess: "Ich gehe davon aus, dass schon allein auf Grund der Vielzahl der Angeschuldigten und der Vielzahl der Anwälte es sehr kompliziert sein wird, den Sachverhalt vollständig aufzuklären", sagte er.

Mehr zu diesem Thema sowie weitere Themen sehen Sie heute Abend in Panorama 3 um 21.15 Uhr im NDR Fernsehen.

Mammut-Kokainverfahren
Benedikt Strunz, NDR
12.02.2019 06:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete der NDR in der Sendung Panorama 3 am 12. Februar 2019 um 21:15 Uhr.

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