Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. | dpa

Osterbotschaft der Kirchen "Hoffnung als Lebensmittel"

Stand: 17.04.2022 11:21 Uhr

Die Kirchen haben in ihren Osterbotschaften angesichts des Ukraine-Krieges zu Frieden und Versöhnung aufgerufen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bätzing, bestärkte die Hoffnung auf Veränderung.

Der Krieg in der Ukraine hat auch die Osterfeierlichkeiten von Christen in Deutschland geprägt. Katholische und evangelische Bischöfe riefen in ihren Predigten zu Mut und zum Einsatz für den Frieden auf.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, bestärkte zu Ostern die Hoffnung auf positive Veränderung. Österlich hoffen bedeute, "uns hier und jetzt bereits weit in die Zukunft auszustrecken", sagte Bätzing in seiner Predigt im Limburger Dom.

"Hoffnung als Lebensmittel. Denn nur hoffend können wir unser Leben gut führen." Sie werde auch einmal irritiert oder enttäuscht werden, das gehöre dazu, so Bätzing. Aber wenn sie erlahme, bleibe nur wenig Spielraum für christliches Handeln. "Ja, ich behaupte sogar: Wenn wir die Hoffnung verlernen, verlernen wir das Zutrauen zum Leben."

Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. | dpa

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Bild: dpa

Bätzing hatte zuvor betont, die Welt sei wahrhaftig kein Paradies. Die verhaltene Zuversicht sei bereits allzu häufig ins Wanken geraten, dass sich demokratische Bewegungen gegenüber autokratischen Systemen durchsetzen könnten, dass internationale Konflikte eher durch Dialog und diplomatisches Geschick zu lösen wären als durch Wettrüsten und Krieg.

Bedford-Strohm: Zur Osterfreude durchdringen

Der evangelische Landesbischof von Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, erinnerte in seinem Ostergottesdienst an das Leid der Christen in der Ukraine. "Während wir heute Ostern feiern, beginnt in der Ukraine die Karwoche“, sagte er in seiner Predigt in der Münchner Matthäuskirche.

Wegen der unterschiedlichen Kirchenkalender in der östlichen und westlichen Christenheit werden Ostern und auch Weihnachten zeitversetzt gefeiert. "Und nun diese Konstellation", sagte Bedford-Strohm. "Bei uns die Osterwoche und in Russland und der Ukraine, dem Land, in dem nach dem russischen Angriff jetzt ein so schrecklicher Krieg herrscht, die Karwoche." Das Osterfest könne nicht gefeiert werden, indem man den Karfreitag - also den Tag, an dem Jesus starb - vergesse, mahnte der Landesbischof. Ostern sei nur Ostern, wenn man sich auch des jetzt andauernden Leides bewusst sei.

"Es braucht viel Ostermeditation, um durchzudringen zur Osterfreude in diesen Zeiten." Die verzweifelten Menschen in der Ukraine wolle man in "unsere Mitte nehmen", auch wenn sie weit weg seien, sagte der Landesbischof weiter.

Kurschus: Osterbotschaft bleibt stark

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Annette Kurschus, erklärte, die Osterbotschaft bleibe trotz Gewalt und Krieg stark. "Gott trotzt dem Triumph der Gewaltherrscher und ihrer gottlosen Büttel und Mitläufer. Und wir tun das in seinem Namen auch." Die Christen wollten die Botschaft von der Auferstehung des gefolterten und getöteten Gottessohnes laut werden lassen - "gegen die dumpfen Parolen des Angriffskrieges“, sagte die westfälische Präses.

"Wahre, wirkliche Zeitenwende"

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx bezeichnete Ostern als die "wahre, wirkliche Zeitenwende". Im Hinblick auf den Krieg in der Ukraine sagte er, natürlich hätten die Menschen das Recht, ihr eigenes Leben und das ihrer Mitmenschen, der vielen Unschuldigen zu verteidigen und zu schützen. Dennoch stelle sich die Frage, wie es weitergehen werde: "Wo sind die Zeichen der Hoffnung? Wo erfahren wir die Zeitenwende, die uns einen Blick öffnet für das Leben, das stärker ist als der Tod?"

Auch wenn es derzeit schwerfalle, die Osterbotschaft zu verkünden, sei dies "doch nötiger als je zuvor".

Kardinal Reinhard Marx | dpa

Münchner Kardinal Reinhard Marx: Ostern ist die "wahre, wirkliche Zeitenwende" Bild: dpa

Einschränkungen akzeptieren

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick rief dazu auf, persönliche Einschränkungen zu akzeptieren, wenn es um Sanktionen gegen Russland gehe. Als Beispiele nannte er Abstriche bei der Versorgung mit Lebensmitteln und Gebrauchsgütern sowie steigende Energiepreise.

Außerdem müsse die Selbstverteidigung der Ukraine unterstützt werden, so der Erzbischof. An die russisch-orthodoxe Kirche appellierte Schick, dazu beizutragen, dass die russische Aggression gegen die Glaubensgeschwister in der Ukraine beendet werde.

Bode: Nicht entmutigen lassen

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode appellierte an die Katholiken, sich von der Corona-Pandemie und dem Ukraine-Krieg nicht entmutigen zu lassen. Trotz der Nachrichten von Leid und Tod sollten sich die Menschen für Leben und Frieden einsetzen, forderte er.

Mit Blick auf die russisch-orthodoxe Kirche sagte Bode, er sei sicher, "dass auch in Russland ganz viele Menschen zutiefst diese Sehnsucht nach Leben und Frieden teilen, wenn sie in diesem Jahr das Halleluja anstimmen".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. April 2022 um 07:37 Uhr.