Aktivisten halten ein Plakat hoch auf dem Katholikentag. | dpa

Katholikentag in Münster Proteste gegen AfD-Politiker

Stand: 12.05.2018 17:14 Uhr

Bei einer Podiumsdiskussion zum Verhältnis von Kirche und Staat auf dem Katholikentag kam es zu Protesten: Auf dem Podium saß der AfD-Politiker Münz. ZdK-Präsident Sternberg verteidigte dessen Einladung.

Auf dem 101. Deutschen Katholikentag in Münster haben Vertreter der Bundestagsparteien über das Verhältnis zwischen Staat und Kirche diskutiert. Dabei wurde der Auftritt des kirchenpolitischen Sprechers der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz, zu Beginn mit massiven Protesten und Störungen aus dem Publikum begleitet.

Bei der Vorstellung seiner Person durch einen Einspielfilm auf der Videowand rannten mutmaßliche Aktivisten in der Messehalle nach vorn zur Bühne und hielten ein Plakat mit der Aufschrift "Suche Frieden - nicht die AfD - für eine antifaschistische Kirche" hoch. Der Moderator bat die mutmaßlichen Aktivisten daraufhin, den Raum zu verlassen oder die Diskussion auf ihren Plätzen weiterzuverfolgen.

Runde zu Staat und Kirche

Nach einigen Minuten und einem Polizeieinsatz konnte die Veranstaltung mit dem Titel "Nun sag', wie hast du's mit der Religion?" fortgesetzt werden. Die Runde diskutierte zur Haltung der Bundestagsparteien "zu Kirche und Religion in Staat und Gesellschaft". Die religionspolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen nahmen teil.

Die Experten von SPD, Union, FDP und Linken erklärten, sie würden die Rolle der Kirchen im Staat grundsätzlich unterstützen und ihr christlicher Glaube sei die Grundlage für ihre politische Arbeit. Christine Buchholz (Die Linke), warnte in der Diskussion vor einer "Normalisierung der Positionen der AfD".

Münz betonte, er wolle "Brücken bauen" und auch mit anderen politischen Anschauungen im Gespräch bleiben. Die biblischen Gebote seien in seinem Leben eine wichtige Orientierung. Die AfD wolle, dass Deutschland auch weiterhin christlich geprägt bleibe. Es sei nicht in Ordnung, dass die Kirchen "eine Art politische Organisation" seien.

Der Auftritt des AfD-Politikers war umstritten, die Diskussion wurde immer wieder durch Zwischenrufe unterbrochen. In Münster protestierten rund 1000 Menschen gegen den Auftritt von Münz.

Sternberg verteidigt Einladung

Islamfeindlichkeit, Nationalismus, Ausgrenzung und Rassimus - viele Positionen der AfD seien mit christlichen Ideen nicht vereinbar, so der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. Dennoch verteidigte er die Einladung des AfD-Politikers. Beim Katholikentag vor zwei Jahren habe man noch von einer Einladung absehen können. Seit der Bundestagswahl gehe das nicht mehr, so Sternberg.

Felix Genn, Bischof des gastgebenden Bistums Münster, ergänzte, man müsse sich mit den Positionen der AfD auseinandersetzen, schließlich würden auch viele Christen in den Gemeinden die AfD unterstützen.

Gesamtbilanz positiv

Sternberg zog unterdessen eine durchweg positive vorläufige Bilanz für den Katholikentag. Seit der Wiedervereinigung habe es nicht mehr so viele Besucher auf dem Katholikentag gegeben, sagte Sternberg. Zu dem Treffen der katholischen Laien kamen bislang 50.000 Dauergäste und 25.000 Tagesteilnehmer.

Sternberg sagte, dass die Besucher in Münster anders als in den Jahren zuvor mehr Interesse an den politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Diskussionen gezeigt hätten. Dabei sei der Ton "eher nachdenklich als kämpferisch, eher fragend als bestimmend" gewesen.

Merkel zu Gast

Auf den Podien hatten unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos gesprochen. Der 101. Deutsche Katholikentag geht am Sonntag mit einem großen Gottesdienst zu Ende.

Mit Informationen von Hans-Michael Ehl, SWR

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. Mai 2018 um 13:10 Uhr.

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KOMMENTARE

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Matze 1 12.05.2018 • 20:25 Uhr

Denkansatz

Vielleicht sollte man besser gegen Katholiken und ihren Aberglauben demonstrieren? Jeder mag sich selber eine Meinung bilden, das muss die Demokratie aushalten.