Kardinal Reinhard Marx | Bildquelle: dpa

Bilanz Kardinal Reinhard Marx Talkshow und Theologie

Stand: 02.03.2020 13:53 Uhr

In Mainz treffen sich von heute an die katholischen Bischöfe - zum letzten Mal mit Kardinal Reinhard Marx an der Spitze der Bischofskonferenz. In seiner Amtszeit stieß der Reformer auf viele Widerstände.

Von Tilmann Kleinjung, BR

Es war ein Paukenschlag Anfang Februar - ein Rückzug, mit dem niemand gerechnet hatte und der Fragen aufwirft: Warum tritt Kardinal Reinhard Marx nicht mehr als Vorsitzender an? War es die Dreifachbelastung als Vorsitzender, als Bischof in einem großen Bistum und als Berater des Papstes?

Oder war es das Alter? Marx ist mit 66 Jahren für kirchliche Würdenträger eigentlich im besten Alter. Oder war es Kritik in der Bischofskonferenz an seinem Führungsstil?

Dazu sagt Marx, es habe Diskussionen über die Arbeitsweise im letzten halben Jahr gewesen. Aber das sei im ganz normalen Bereich gewesen.

In der Warteschleife vor der Wahl 2014

So überraschend sein Rückzug ist, so wenig überraschend war seine Wahl vor sechs Jahren. Schon 2008 wurde Marx als Favorit gehandelt. Da schickten ihn seine Mitbrüder aber noch einmal in die Warteschleife. Es war eine Demutsübung. 2014 dann wollte eine Mehrheit der Bischofskonferenz den selbstbewussten Kardinal aus München als Vorsitzenden. Ein Mann, der es wie kein zweiter Bischof in Deutschland versteht, zwei Dinge zusammenzubringen: Talkshow und Theologie.

Auch in den tagesthemen stellte er das unter Beweis: Auf die Frage, wie Marx der Austrittswelle - nach dem Missbrauchsskandal und der Affäre um den Bischof Tebartz-van Elst - entgegenwirken wolle, antwortete Marx, das liege nicht nur am Vorsitzenden einer Konferenz. "Auch wenn ich als Vorsitzender eine Stimme bin für die katholische Kirche in Deutschland. Es ist vielmehr eine gemeinsame Aufgabe, Vertrauen wieder zu gewinnen. Wir tun das seit dem Jahr 2010 in sehr intensiver Weise", so Marx.

Deutsche Bischofskonferenz sucht Nachfolger für Kardinal Marx
tagesschau 17:00 Uhr, 02.03.2020, Johanna Wahl, SWR

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"Sexueller Missbrauch ist ein Verbrechen"

Die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals wird zur Mammutaufgabe, der sich Marx als Vorsitzender stellt. Wissenschaftler werden damit beauftragt, die Missbrauchsgeschichte der katholischen Kirche zu erforschen. Das 2018 vorgestellte Ergebnis sei nur die Spitze eines Eisbergs, sagen sie: In mindestens 3677 Fällen finden sie Hinweise auf sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in den Akten der deutschen Bistümer.

Dazu sagte Marx, dass sexueller Missbrauch ein Verbrechen sei. Wer schuldig sei, müsse bestraft werden: "Allzu lange haben wir in der Kirche weggeschaut, vertuscht, geleugnet. Wir wollten es nicht wahrhaben. Für alles Versagen und allen Schmerz muss ich als Vorsitzender der Bischofskonferenz um Verzeihung bitten und tue es auch ganz persönlich."

Nicht alle Mitbrüder ziehen mit

Ein Schuldeingeständnis ohne sichtbare Konsequenzen: Die Entschädigungsfrage ist noch nicht geklärt. Eine unabhängige Aufarbeitung der Fälle in den einzelnen Bistümern steht noch aus. Es gelang Marx nicht, alle Mitbrüder auf seine Zielvorgaben zu verpflichten.

Und auch bei anderen Themen entsteht der Eindruck: Es gibt ihn, der vorwärts drängt, und es gibt ein paar Bremser. Wie zum Beispiel beim gemeinsamen Reformprozess, der vor wenigen Wochen in Frankfurt startete.

Marx sagte, es sei offenbar die Idee aufgekommen, dass die Kirche in Deutschland einen Sonderweg gehen wolle, dass sie sich von der Weltkirche lösen und Entscheidungen fällen wolle, die ihr nicht zustünden. "Ich finde solche Unterstellungen abenteuerlich". Er könne sich nicht erinnern, dass ein deutscher Bischof dies irgendwo geäußert haben könnte.

Ökumenische Harmonie

Beispiel Ökumene: Die Bischofskonferenz veröffentlichte eine Handreichung, die es evangelisch-katholischen Paaren ermöglichen soll, gemeinsam zur Kommunion zu gehen. Wenig später schickten ein paar Bischöfe einen Brief nach Rom, in dem sie das gemeinsam verabschiedete Papier in Frage stellten. Dabei war die Handreichung das Ergebnis des Reformationsjubiläumsjahres 2017, das auch dank Marx einen ökumenischen Akzent bekam.

Das offensichtlich gute Miteinander von Marx und seinem evangelischen Münchner Amtskollegen, dem EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm, inspirierte die Wochenzeitung "Die Zeit" zu dem Titel "Gibt’s die auch einzeln?".

Als Marx 2016 in einem Interview mit den beiden Kirchenmännern sagte, es habe eine "Verketzerung" gegeben, "die über alles Maß hinausging - bis hin zu der Tatsache, dass Hochzeiten eine Katastrophe waren", warf Bedford-Strohm ein: "Habe ich alles als Seelsorger noch erlebt." Und Marx pflichtete ihm bei: "Ohne einen ehrlichen Blick auf das, was wir erlebt haben, kann es nicht vorangehen."

Ob bei der Aufnahme von Flüchtlingen im Herbst 2015 oder bei der Unterstützung der zivilen Seenotrettung im Mittelmeer - zwischen Marx und Bedford-Strohm passt selten ein Blatt. Eine ökumenische Harmonie, die Marx im Kreise seiner katholischen Bischofskollegen nur selten genießen durfte.

Bilanz zu Kardinal Reinhard Marx als Vorsitzender der Bischofskonferenz
Tilmann Kleinjung, ARD Rom
02.03.2020 12:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 02. März 2020 um 12:50 Uhr.

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