FFF-Demo in Berlin | dpa

Junge Klimaschützer Partei statt Straße?

Stand: 03.07.2021 15:52 Uhr

Einst haben junge Klimaschützer vor allem auf den Straßen demonstriert. Nun versuchen immer mehr von ihnen den Weg über die Parteien, um von dort aus Druck auszuüben.

Von Julie Kurz, ARD-Hauptstadtstudio

Eigentlich ist Doris Vollmer Physikerin, forscht am Max-Planck-Institut. An diesem Freitag aber steht sie nun an einem Pult im Berliner "Festsaal Kreuzberg" und versucht anhand eines Wasserglases anschaulich zu erklären, wie das mit den Kipppunkten beim Klima ist. Dafür neigt sie das Wasserglas immer weiter und erklärt: "Die Temperatur steigt und steigt. Und plötzlich ist das Wasser aus dem Glas ausgekippt. Das kann man dann nicht mehr rückgängig machen."

Julie Kurz ARD-Hauptstadtstudio

Ihre Demonstration ist Teil der Pressekonferenz zur Gründung der Klimaliste Deutschland. Die Partei existiert bereits in einigen Bundesländern, nun will sie auch bundesweit mitmischen. Neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sind auch viele junge Menschen Mitglieder. Das Ziel der Gründerinnen und Gründer: keine höhere Erderwärmung als 1,5 Grad, ein wissenschaftsbasiertes Klimaprogramm. Das fehle bei den anderen Parteien, sagt Beatrice Bednarz, eine junge Physik-Doktorandin: "Die etablierten Volksparteien haben das Problem, dass sie viel zu verlieren haben. Und deshalb haben sie Angst vor Veränderungen. Wir hingegen sagen: Wir sind jung, wir wollen Veränderungen."

Die Klimaliste will sich bei der Bundestagswahl vorerst nur über Direktkandidaten einbringen. Sie wollen sich in Wahlkreisen verankern, lokal Druck für mehr Klimaschutz machen.

Druck von draußen und von drinnen

Es sind vor allem die jungen Menschen, die sich in Gesellschaft und in Politik für Klimaschutz einsetzen. Und viele stehen vor der Frage, was der effektivste Weg ist: auf der Straße oder doch besser im Parlament? Mit oder gegen die Parteien?

Der 21-jährige Grünen-Bundestagskandidat Jakob Blasel war einst einer der führenden Köpfe von Fridays for Future. In Demonstrationen lief er Seite an Seite mit Greta Thunberg. Er ist überzeugt, dass es beides braucht: Druck von draußen und von innen.

Jakob Blasel | Olivia Birmes

Jakob Blasel redet auf einer Klima-Demonstration im Februar 2019. Inzwischen fokussiert er sich mehr auf Parteiarbeit bei den Grünen. Bild: Olivia Birmes

Fridays for Future demonstriert jetzt wieder jeden Freitag. Das sei bitter nötig, damit sich im Parlament etwas bewege, sagt Blasel. "Und gleichzeitig braucht es Leute, die das umsetzen." Künftig will er als Mittler fungieren, Klimaaktivismus ins Parlament tragen. Er wählt den Weg über eine der etablierten Parteien, von der neugegründeten Klimaliste hält er nicht viel. Man müsse die Kräfte bündeln, sagt er. Heißt im Klartext: keine Konkurrenz für die Grünen.

Wie schwer es allerdings ist, sich als junger Klimaaktivist bei den Grünen durchzusetzen, konnte Basel schon erfahren. Beim vergangenen Grünen-Parteitag wollte er das Wahlprogramm nachschärfen, setzte sich für einen höheren CO2-Preis ein. Der Antrag wurde abgeschmettert.

Auch in der CDU gibt es Klimaschützer

Auch Wiebke Winter weiß, wie es sich anfühlt, in einer Partei gegen Windmühlen zu arbeiten. Die 25-Jährige kämpft für die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels. Und das ausgerechnet in der Partei, die nicht gerade dafür bekannt ist, Vorreiterin beim Klimaschutz zu sein: der CDU. Sie ist das jüngste gewählte Mitglied des CDU-Bundesvorstands, und sie ist Mitgründerin der Klimaunion. Der Verein wurde in der Presse bereits als "grünes U-Boot" bezeichnet. Die Klimaunion kritisiert unter anderem, dass das Wahlprogramm der Union nicht mit dem Pariser Klimaabkommen konform sei. 

Winter setzt sich nach eigener Aussage für Klimaschutz in der Mitte der Gesellschaft ein, ohne Kapitalismuskritik wie bei Fridays for Future. Und gerade für die CDU sieht sie eine Chance beim Thema Klimaschutz: "Die Klimafrage ist vor allem auch eine Wirtschaftsfrage", meint sie, und die CDU sei nun mal die Wirtschaftspartei. Auf diese Weise versucht sie, auch Skeptiker in den eigenen Reihen zu überzeugen.

Egal, ob in der CDU oder in anderen Parteien, die jungen Klimaschützer sind sich einig: Es ist keine kleine Aufgabe, aber sie alle wissen auch: Die Zeit drängt.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 02. Juli 2021 um 22:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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vriegel 03.07.2021 • 21:30 Uhr

@ 20:24 von Icke 1 - Opposition

„ Ich möchte unter keinen Umständen eine Regierung unter Federführung von Frau Baerbock.“ Es geht für Grün nur noch darum, ob sie die Opposition anführen werden, oder ob schwarz gelb das alleine, also ohne die SPD, schafft. Und wenn die SPD dann vor den Grünen wär, wäre das auch nicht so schlimm.